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Kolumne in der Allgemeinen Zeitung Uelzen

Regelmäßig schreibt Erika Mann eine Kolumne für die Allgemeine Zeitung in Uelzen. Am 16. April 2008 erschien die Kolumne zum Thema Biokraftstoffe. Die Langform finden Sie hier:

Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte Mit diesen Zeilen beginnt das wundervolle Gedicht von Eduard Mörike.

Die ersten Sonnenstrahlen dieses Frühlings lassen sich blicken und wärmen uns. Obwohl die Arbeit nicht weniger wird, scheint sie doch leichter von der Hand zu gehen. Für Landwirte bedeutet der Frühling besonders viel Arbeit. Sie bestellen die Äcker, setzen Wege instand und bringen die Kühe auf die Weide. Doch dieses romantische Bild von Landwirtschaft entspricht nur teilweise der Realität. Die Landwirtschaft ist heute mehr als der klassische Anbau von Getreide und Gemüse oder die Haltung von Tieren.

Besonders sichtbar wird die veränderte Rolle im aktuellen Streit um die Frage, wie hoch der Anteil von Biokraftstoffen bei Benzin und Diesel sein soll. Die von den EU-Mitgliedstaaten festlegte Beimischungsquote von 10% bis zum Jahr 2020 sollte sowohl die Tür zu einer neuen Energiequelle öffnen als auch den Landwirten neue Wirtschaftschancen eröffnen. Beide Entwicklungen sind schneller und radikaler eingetreten, als dies erwartet wurde.

Nun wird seit dem Ansteigen der Lebensmittelpreise die "Konkurrenz" zwischen Nahrungsmitteln und Kraftstoffen beschworen. Dabei wird der Anteil des Preisanstiegs, der durch die Gewinnung von Biokraftstoffen verursacht wird, häufig deutlich überschätzt. In der EU werden beispielsweise nur 1,8 % der Jahresernte für Biokraftstoffe und Bioenergie verwendet. Auch in Brasilien, dem weltweit größten Produzenten von Bioethanol, beträgt der Anteil der Anbaufläche von Zuckerrohr nur 15% der Fläche, die für die Getreideproduktion genutzt wird. Für die Verteuerung sind auch sich ändernde Essgewohnheiten in Schwellenländern, wie z.B. Indien verantwortlich, in denen bestimmte Lebensmittel, die früher nicht nachgefragt wurden, verstärkt gekauft wurden. Zudem schlägt der hohe Ölpreis auf die Transportkosten durch. Selbstverständlich muss das Problem der Nahrungssicherheit und der des Preisanstieges - im Übrigen weltweit - ernst genommen und gelöst werden. Die Reduzierung des Problems auf eine einzige Ursache sollte allerdings vermieden werden.

Außerdem: von Anfang war klar, dass die so genannte erste Generation von Biokraftstoffen aus vielen Gründen nicht ideal ist und erst mit der zweiten Generation nachhaltig und ökologisch sinnvolle Kraftstoffe entwickelt werden. Diese zweite Generation wird beispielsweise aus organischen Abfällen gewonnen und steht anders als die Biokraftstoffe der ersten Generation nicht in direkter Konkurrenz zu Nahrungsmitteln. Deutschland ist in der Forschung an Biokraftstoffen der zweiten Generation führend und hat hier bereits große Investitionen getätigt. VW etwa forscht mit Hochdruck an der Anwendung synthetischer Kraftstoffe wie SunFuel®, die langfristig als Alternative zu heutigen Biokraftstoffen zur Verfügung stehen werden. Im zweitgrößten Flächenland Niedersachsen hat vor allem die Landwirtschaft in diesem Bereich großes Potenzial. Im Übrigen geht es nicht nur um die Entwicklung von Biokraftstoffen, sondern auch um die Forschung und den Einsatz von Kunststoffen, Umwandlung von Biomasse in Energie und dem Ersatz von Paraffinen. Richtig gemacht, bietet sich eine große Chance für den Landkreis Uelzen, in dem die Hälfte der Fläche landwirtschaftlich genutzt wird.

Die Devise sollte also sein: die Probleme ernst nehmen, aber keine Kurzschlussreaktionen zulassen. Dann können wir langfristig mit ökologisch verträglichen Kraftstoffen und ausreichend Butterbrot durch Niedersachsens Landschaft fahren.

Mit den letzten Zeilen von Mörikes Frühlings Gesicht möchte ich für heute enden: Frühling, ja du bist's! Dich hab ich vernommen!

30. April 2008 08:53

http://erikamann.com/niedersachsen/Landwirtschaft/KolumneAZUelzen
24. Juli 2008 01:22
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