Einzug der Gigaliner?

Ein Gigaliner ist ein überlanger LKW, der bis zu 25,25 Meter lang sein und ein Zuggesamtgewicht von 60 Tonnen haben kann. Grundlage für die Zulassung dieser überlangen Wagen in den Mitgliedsstaaten ist die Verordnung (96/53/EG). In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen liefen 2007 erste Versuche mit Gigalinern.

Es gibt Befürchtung, dass die hohen Unfallzahlen an denen LKW beteiligt, durch den Einsatz größerer LKWs ansteigen wird. Deshalb ist es sinnvoll, konkrete Bedingungen für den Einsatz festzulegen. Für den Gigaliner spricht jedoch ein verhältnismäßig geringer Kraftstoffverbrauch. Eine Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen [BASt] hat im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums ermittelt, dass der Kraftstoffverbrauch durch den Einsatz von Gigalinern um ca. 30% sinkt. Darüber hinaus kann eine Reduzierung des Schwerverkehrs auf Bundesautobahnen von ca. 13 % eintreten. Die Bundesanstalt für Straßenwesen ist ein Forschungsinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung.

Die Studie der BASt kommt aber auch zu dem Ergebnis, dass mit Schäden an der Verkehrsinfrastruktur zu rechnen ist (Leitplankensysteme sind nicht für 60-Tonner ausgelegt, Autobahnratsplätze müssten erweitert werden, Nachbesserung der Tunnelsicherheit erforderlich).

Eine weitere Studie im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums von der K+P Transport Consultants hat die Verlagerung im kombinierten Verkehr untersucht. Sie stellt fest, dass es zu einem Ladungsrückgang von ca. 30% des kombinierten Verkehrs Schiene/Straße kommen kann.

Vor der Gesamtbetrachtung der Ergebnisse der Studien votierten am 10. Oktober 2007 die Verkehrsminister der Bundesländer, im Rahmen der Verkehrsministerkonferenz, deutlich mehrheitlich gegen eine allgemeine Zulassung der Gigaliner in Deutschland (15 Länder stimmten dagegen, bei einer Enthaltung).

Bundesverkehrsminister Tiefensee steht den Gigalinern „hoch skeptisch“ gegenüber.

Der EU-Verkehrsministerrat entschied am 29.11.2007, dass ein europaweiter Einsatz von Gigalinern nicht geprüft wird. Schweden hingegen hat angekündigt, das Thema auf die Agenda seiner Ratspräsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte 2009 zu setzen. In Schweden und auch in Finnland kommen die Gigaliner schon seit 1970 zum Einsatz.

Ungeachtet der Ablehnung auf europäischer wie auf Ebene der Bundesländer hat der Verkehrsminister des Landes Niedersachsen Hirche in im Niedersächsischen Landtag am 18.09.2008 betont, dass die Landesregierung dem Einsatz von Gigalinern positiv gegenübersteht.

Ende 2008 soll eine Studie im Auftrag der EU-Kommission über den Einsatz von Gigalinern vorgelegt werden. Es bleibt abzuwarten, ob diese Studie Ergebnisse enthält, die eine andere politische Bewertung zulassen.

29. Oktober 2008 18:29