Metropolregion Bremen-Oldenburg im NordwestenTrotz ihres Namens bezieht sich die Metropolregion Bremen-Oldenburg im Nordwesten nicht nur auf die beiden Städte Bremen und Oldenburg, sondern auch auf weitere Kreise und kreisfreie Städte. Grundlage der Metropolregion bildet vielmehr das Gebiet der „Regionalen Arbeitsgemeinschaft“ (RAG) Bremen/Niedersachsen und das Oldenburger Land.
Die Metropolregion umfasst das Land Bremen und Teile Niedersachsens mit den Städten Delmenhorst, Oldenburg und Wilhelmshaven sowie den Landkreisen Ammerland, Cloppenburg, Cuxhaven, Diepholz, Friesland, Oldenburg, Osterholz, Vechta, Verden und Wesermarsch. In der Region leben über 2,37 Millionen Einwohner.
Quelle: Metropolregion Bremen-Oldenburg im Nordwesten
Die besonderen Stärken dieser Metropolregion liegen in den Branchen Logistik, maritime Verbundwirtschaft, Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrt, Windkraft, Ernährungswirtschaft und Tourismus. Zwei Bauprojekte sollen die europäische und internationale Gatewayfunktion erweitern: die neue Küstenautobahn A22 und der Tiefwasserhafen JadeWeserPort in Wilhelmshaven.
Wirtschaftsachse Küste
Der Mittellandkanal ist seit über 100 Jahren eine stabile Wirtschaftsachse in Niedersachsen. Im Umfeld entstanden alle wichtigen Industriegebiete: Salzgitter, Osnabrück, Hannover, Braunschweig und Wolfsburg. Die neue Autobahn A22 soll an diesen Erfolg anknüpfen und eine weitere Achse in Niedersachsen etablieren: die „Wirtschaftsachse Küste“.
Bislang sind die niedersächsischen Küstenregionen nur schwach an das nationale und europäische Verkehrsnetz angebunden. Die A22 wird dies ändern. Die Schnellstraße rückt als Verlängerung der A20 die Ostseehäfen zeitlich näher an Wilhelmshaven, Bremerhaven und Emden heran, ebenso Häfen und Märkte aus Skandinavien und Osteuropa. Richtung Südwesten stärkt die Küstenautobahn zukünftig die Anbindung an die Beneluxstaaten und Frankreich.
Die niedersächsischen Häfen profitieren von einer besseren Außenanbindung wie auch von einer engeren Vernetzung untereinander. Mit Autobahn ist für die Containerterminals in Wilhelmshaven und Bremerhaven beispielsweise eine gemeinsame Hafengruppe denkbar. Denn die räumliche Distanz zwischen diesen Häfen ist verhältnismäßig klein: Sie entspricht in etwa der Ausdehnung des Rotterdamer Hafens, der in Europa derzeit die meisten Güter umschlägt.
Bis die Küstenautobahn wirken kann, wird allerdings noch Zeit vergehen: Mitarbeiter des Niedersächsischen Instituts für Wirtschaftsforschung schätzen, dass die Autobahn erst in zehn bis 20 Jahren realisiert wird.
Maritime Wirtschaft
Mehr als 90 Prozent des internationalen Warentransports werden heute über den Seeweg abgewickelt. Davon profitiert nicht nur die Handelsschifffahrt, sondern auch die Hafenwirtschaft und der Schiffbau. Die deutschen Schiffseigener unterhalten die drittgrößte Handelsflotte weltweit und führen sogar den Bereich der wachstumsstarken Containerschifffahrt an. Niedersachsen, Hamburg und Bremen profitieren als traditionelle Reederstandorte vom Boom auf den Weltmeeren somit besonders stark.
JadeWeserPort
Große Containerschiffe sparen Zeit und Energie. Schon jetzt verdichten sich Bestellungen von Schiffen mit über 9.000 Standardcontainern (TEU) Ladekapazität – doppelt so viele Container wie bisher auf internationalen Seewegen üblich. Der Trend setzt sich fort: Schon bald sollen Großcontainerschiffe mit über 13.000 TEU die Meeresautobahnen zwischen Asien, Europa und Nordamerika befahren. Diese Giganten sind rund 430 Meter lang und 16 Meter tief.
Am neuen JadeWeserPort in Wilhelmshaven können diese großen Schiffe zukünftig rund um die Uhr anlegen und ihre Fracht löschen – unabhängig von der Tide, was ein Standortvorteil gegenüber den Häfen Hamburg und Bremen ist. Der erste Terminal soll 2011 in Betrieb gehen.
Der JadeWeserPort wird zudem der östlichste Tiefwasserhafen in Nordeuropa sein. Er ist damit eine ideale Drehscheibe für den Seetransit Richtung Osteuropa, aber auch für den europäischen Transitverkehr per Schiene und Straße. Wie bedeutend das maritime Logistikcluster für Europa wird, hängt stark von den Hinterlandverbindungen ab. Ein Nadelöhr, das Schienenstück zwischen Wilhelmshaven und Oldenburg, wird bereits ausgebaut.
Land der Energien
Niedersachsen besitzt ein großes Potenzial an Energierohstoffen, wozu das herausragende Know-how in Forschung und Entwicklung zählt. Die Metropolregion Bremen-Oldenburg ist zudem Heimat zahlreicher hochqualifizierter Energieunternehmen.
Nicht nur die lokalen Erdöl- und Erdgasvorkommen leisten einen großen Beitrag zur Energieversorgung Deutschlands, auch die geplanten Offshore-Windparkanlagen in der Nordsee sollen zukünftig heimische Energie liefern.
Die Wissenschaft in Niedersachsen setzt den Fokus auf die Erzeugung und Speicherung alternativer Energien. Das Land will stärkster Windkraftversorger Europas werden. Viele deutsche Windkraft-Ingenieure arbeitet bereits in der Metropolregion Bremen-Oldenburg.
Die Fertigung von Windkraftanlagen boomt, wobei ein Großteil der niedersächsischen Technik ins Ausland exportiert wird. Den Transport übernehmen oft lokale Reeder von niedersächsischen Häfen aus.
Cuxhaven gilt mittlerweile als Topstandort für den Offshore-Windkraftbereich. Der Hafen ist spezialisiert auf die logistischen Anforderungen der Branche: Er bietet ideale Bedingungen für die Verschiffung großer Windkraftanlagen wie auch für die Aufstellung auf See. Eine Schwerlastplattform und ein Offshoreterminal sind hierfür weitere Voraussetzungen. Obwohl beide Bauvorhaben längst geplant sind, fehlen derzeit die finanziellen Mittel vom Land Niedersachsen. Führende Windkraftunternehmen, die sich bereits stark für den Standort Cuxhaven interessieren, sind deshalb zu Recht besorgt.
Weitere Energiequellen made in Niedersachsen werden Biokraftstoffe der zweiten Generation sein, an denen bereits intensiv geforscht wird. Hierbei kommt die größte natürliche Ressource Niedersachsens zum Tragen: das Agrarland.
Landwirtschaft ist wichtiges Standbein
Die Metropolregion Bremen-Oldenburg ist traditionell Heimat einer international wettbewerbsfähigen Landwirtschaft. Nicht nur hier, in ganz Niedersachsen hat sich die lokale Ernährungswirtschaft in den vergangenen Jahren dynamisch weiterentwickelt. Alle Positionen der Wertschöpfung sind vertreten: von Saatgutforschung über Produktionstechnik bis zur Veredelung.
Ob die niedersächsischen Landwirte auch zukünftig ihre gute Marktposition halten können, bleibt abzuwarten: Die Konkurrenz in Osteuropa wird stärker. Die in den vergangenen Jahren in Niedersachsen etwas vernachlässigte Forschungsleistung in der Ernährungswirtschaft sollte deshalb ausgebaut werden.

