Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-WolfsburgMit rund 3,9 Millionen Einwohnern ist die Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg ein nach der Definition der deutschen Ministerkonferenz für Raumordnung „mittlerer Verdichtungsraum“ in Deutschland. Sie umfasst etwa ein Drittel der Fläche Niedersachsens. Fast die Hälfte aller Niedersachsen leben hier.
Spitzenforschung
und Innovationen
Die Metropolregion
Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg nimmt mit 25 Hochschulen und mehr als
60 außeruniversitären Forschungseinrichtungen in der deutschen
Wissenschaftslandschaft eine Spitzenposition ein. Lokale Institute und Firmen
geben nicht nur viel Geld für Forschung und Entwicklung aus, sie melden auch
verhältnismäßig viele neue Patente an. Innovationen sind somit die größte
Stärke dieser Metropolregion.
Quelle: Landeshauptstadt Hannover 2006
Schwerpunkt ist der Fahrzeugbau. Der Löwenanteil der FuE-Gelder wird in den Forschungslaboren von VW ausgegeben. Auch die Hochschullandschaft ist stark auf die Automobilbranche spezialisiert. Dies ist ein Vorteil und Nachteil zugleich: Nicht nur die Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg ist damit stark von der Fahrzeugindustrie abhängig – ganz Niedersachsen.
Die Wirtschaftskraft von Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg ist niedriger als in den etablierten westdeutschen Metropolregionen Hamburg, München oder Stuttgart. Der Wohlstand variiert in der größten niedersächsischen Metropolregion zudem stark. So sind beispielsweise die ehemaligen Zonenrandgebiete wie der Harz weiter wirtschaftlich schwach. Ohne Gegenkonzepte wird die demografische Entwicklung die territorialen Unterschiede in der Metropolregion weiter verstärken.
Hohes kreatives Potenzial in Südniedersachsen
Ökonomen sagen für die Zukunft einen abnehmenden Autoabsatz in Europa und Deutschland voraus. Die fehlende Binnennachfrage wird die Autoindustrie in Deutschland voraussichtlich schwächen. Viele Wissenschaftler aus Niedersachsen drängen deshalb auf eine stärkere Förderung anderer Bereiche in der Spitzenforschung.
Vier Technologie-Cluster steuern in der Metropolregion bereits gegen. Die Schwerpunkte sind: Biotechnologie und Medizintechnik, Mobilitätswirtschaft und Logistik, Produktionstechnik, Optik, Messtechnik, Mechatronik und Elektronik sowie regenerative Energien.
Das kreative Potenzial ist in Südniedersachsen hoch, ansonsten in der Metropolregion nur unterdurchschnittlich. Somit fällt vor allem der Exzellenz-Universität Georg-August in Göttingen die Rolle zu, weitere hochbegabte Forscher für die Metropolregion zu gewinnen. Dass die Georg-August-Universität dieses Ziel bereits verfolgt, zeigt eine Ausschreibung aus diesem Jahr: Erstmals wurden 18 Juniorprofessuren für den Aufbau unabhängiger Forschungsgruppen angeboten. Die Resonanz war enorm: 60 Prozent der 540 Bewerber stammen aus dem Ausland, darunter auch Forscher der Spitzenuniversitäten Oxford, Harvard und Stanford. Gut ein Drittel der Bewerber waren Nachwuchswissenschaftler aus Deutschland, die zur Zeit im Ausland arbeiten.
Auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft schätzt die lokalen Forschungsstätten und stellt Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg mehr Forschungsmittel zur Verfügung als jeder anderen deutschen Metropolregion. Die traditionsreiche Universitätsstadt Göttingen gilt zudem als beliebter Treffpunkt für hochrangige internationale Wissenschaftskongresse.
Die industrielle Forschungs- und Entwicklungsleistung ist in Niedersachsen sehr ungleichmäßig verteilt. Geografisch gesehen liegt der Schwerpunkt im Großraum Braunschweig. Insbesondere in Wolfsburg und Braunschweig arbeitet der Großteil der norddeutschen Industrieforscher – in der Automobilbranche.
Fachkräfte werden knapp
Der demografische Wandel wird Niedersachsen besonders hart treffen: Im Bundesland fehlen Großkonzerne, die viel Geld in Forschung und Entwicklung investieren. Der VW-Konzern in Wolfsburg ist hier eine Ausnahme, er hält die FuE-Statistik in Niedersachsen noch hoch. Fakt ist aber, dass schon jetzt jeder zweite deutsche Industrieforscher in Bayern oder Baden-Württemberg arbeitet.
Der Fachkräftemangel wird die Unterschiede zukünftig vergrößern. Gegenkonzepte sind deshalb dringend nötig. Junge Spitzenforscher erreichen schon jetzt kaum noch den freien Arbeitsmarkt, da Großkonzerne sie bereits während des Studiums anwerben. Dies benachteiligt vor allem Klein- und Mittelständler, deren Forschungskraft in Niedersachsen in weitaus größerem Umfang gebraucht wird.
Erste Kooperationen unter forschenden Klein- und Mittelständlern versuchen diesen Trend zu stoppen. Die Plattform KIM beispielsweise vernetzt im Raum Braunschweig über 20 Firmen, die gemeinsam hochqualifizierte Maschinenbauer anwerben. Diese Spitzenkräfte sind dann nicht nur bei einem Unternehmen beschäftigt, sondern gleich bei mehreren. Dies schafft einerseits Spielraum für Auftragsengpässe, andererseits bieten mehrere Unternehmen zusammen den Spitzenkräften ein größeres und interessanteres Aufgabenfeld.
Großkonzerne und Mittelstand
Großkonzerne wie der Volkswagen-Konzern, TUI, Salzgitter AG und Continental stehen in der Metropolregion für Internationalität, von der die lokalen Netzwerke enorm profitieren können. Kleinere Firmen aus der Zulieferindustrie beispielsweise, die sich in Nähe der großen Konzerne angesiedelt haben, oder aber kleinere Forschungsinstitute.
Auch alteingesessene Unternehmen, wie der Kräuterlikör-Produzent Mast-Jägermeister, profitiert verstärkt von ausländischen Märkten. In den Bars von New York und Stockholm verwandelte sich das niedersächsische „Altherrengetränk“ nach einer Imagekampagne in einen angesagten Cocktailzusatz. Der Umweg über das Ausland hat sich gelohnt: Die Absatzzahlen von Jägermeister steigen nun auch in Deutschland und sichern damit Arbeitsplätze im Abfüllwerk Wolfenbüttel.
Sieht man die Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg im deutschlandweiten Vergleich, ergibt sich folgendes Bild: Die Zahl der Großkonzerne ist niedrig, die Zahl der innovativen Klein- und Mittelständler ebenso.
Knotenpunkt transeuropäischer Verkehrsachsen
Hannover, Göttingen, Braunschweig und Wolfsburg befinden sich nach Deutscher Einheit und EU-Osterweiterung nicht mehr in einer Randlage, sondern mitten in Europa. Durch die Metropolregion führen wichtige europäische Verkehrslinien – ein enormer Standortvorteil. Die Region wirkt als Knotenpunkt auf nationaler und europäischer Ebene. Die Fachwelt spricht von der sogenannten Gatewayfunktion. Gemeint ist die starke Einbindung in das weltweite Netz der Güter-, Personen- und Wissensströme, woran auch der Flughafen Hannover und die Weltmessen CeBIT und Hannover Messe einen großen Anteil haben.
Die Metropolregion kann so stärker als andere deutsche Regionen von den europäischen Nachbarländern profitieren: Von den wachsenden Märkten im Osten genauso wie von den modernen und innovationsstarken Wirtschafträumen in Skandinavien, deren Profile der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg ähneln.

