DruckversionSeite drucken
< Homepage < Niedersachsen < Städte und Landkreise < Landkreis Hildesheim < Rosenstock-Sage

Sage über den Tausendjährigen Rosenstock

"Die Erbauung der Stadt hat vor mehr als tausend Jahren ein frommer Kaiser (Ludwig der Fromme, 814 - 840) befohlen. Diesem Kaiser gehörte das ganze deutsche Land; die schönsten Städte und Dörfer standen ihm offen; aber er war an keinem Ort lieber als in unserem Wôl (Wald); denn er war ein Freund vom Jagen, und wo hätte er mehr und besser Wild finden können, als in dem damals unermesslich großen Wôle (wo jetzt Hildesheim steht).

Eines Tages war der Kaiser wieder mit seinem Jagdgefolge zu holze gefahren und verfolgte hitzig einen schneeweißen Hirsch. Der Kaiser hatte das schnellste Pferd und die schnellsten Hunde, aber noch schneller war der Hirsch, der über Berg und Tal, sprang in die Innerste und schwamm hindurch. Der Kaiser, immer hinterdrein, sprang auch ins Wasser, verlor aber dabei sein Pferd und seine Hunde; der Hirsch entkam, und der Kaiser schleppte sich müde und matt noch eine Strecke weiter unter einen hohen Baum um auszuruhen.

Da lag nun der verirrte hohe Herr mutterseelenallein in der Wildnis; er stieß in sein Jagdhorn, um das Gefolge herbeizurufen, aber alles Blasen und Rufen war vergebens; er erhielt keine Antwort; denn sein schnelles Pferd hatte ihn meilenweit von den Begleitern fortgetragen. Da wurde es dem Kaiser recht bang ums Herz; er nahm von seiner Brust ein heiliges Gefäß mit Heiligtum von der Mutter Gottes, hing es vor sich an einen wilden Rosenbusch und betete davor inbrünstig, daß ihn die Mutter aller Gnaden doch nicht hier in der Wildnis verkommen lasse, sondern am Leben erhalten und wieder zu Menschen führen möchte. - Gestärkt durch das Gebet, fiel gleich darauf der Kaiser in einen tiefen Schlaf, und als er wieder erwachte, sah er zu seiner großen Verwunderung vor sich den Platz mit Schnee bedeckt, während doch ringsherum alles in grüner Sommerpracht stand; auch das Heiligtum, welches er in den Rosenbusch gehängt hatte, war darin festgefroren, und dennoch blühten am Busch die Rosen weit schöner und voller, als sie vorher geblüht hatten. Da sagte es dem Kaiser sein Herz, daß Gott hier ein Wunder getan habe und gelobte, auf der Stelle, wo der "heilige Schnee" gefallen war, eine Kirche zu bauen. Noch sann er über diesen frommen Vorsatz nach, als Hundegebell und Waldhornklang durch den Wald ertönten; sein Jagdgefolge kam herbei und war hocherfreut, den Herrn gesund und frohgemut wieder zu finden.

Nun erzählte der Kaiser, welchen Wink ihm Gott gegeben habe, und befahl, auf der mit einem Wunderzeichen begnadeten Stätte sofort eine Kirche zu bauen; der wilde Rosenstock aber, der das Heiligtum so festgehalten habe, solle nicht abgerodet werden. So geschah´s: es erstand dicht beim Rosenstock als das erste Gebäude der Stadt Hildesheim eine kleine Kapelle, aus welcher nach und nach der Dom wurde. Der Rosenstock grünt und blüht noch heut an der uralten Mauer, und seinesgleichen ist an Größe und Wunderpracht nicht weiter in der Welt zu finden."

11. September 2006 05:34

http://erikamann.com/niedersachsen/meinelandkreiseund/landkreishildeshei/sageberdentausendj
16. Mai 2008 05:21
Copyright © 2007 PONTON-Lab