US-Kampf weiter offen

05.02.2008

Erika Mann: „Faszinierendes Duell Clinton-Obama“
Eckart von Klaeden: „Vorsicht vor den Umfragen“
Hildesheim (-dt).

Es sind die wohl spannendsten Vorwahlen in der US-Geschichte. Um direkt vor Ort Eindrücke zu sammeln, halten sich die Hildesheimer Abgeordneten Erika Mann, SPD, und Eckart von Klaeden, CDU, in Washington auf. Von dort übermittelten sie gestern der HAZ diese aktuellen Eindrücke. Erika Mann sieht die Demokraten zwischen Hillary Clinton und Barak Obama gespalten. Obama fange die Massen ein mit dem Versprechen des Wandels. Seine Vision gelte einem Miteinander der Rassen und Schichten. Obama werde aber nicht als Vertreter der Schwarzen angesehen, weil er wie ein Weißer denke. Er sei im positiven Sinn ein Träumer, man frage sich, ob er zugleich genug Realist sei. Hillary Clinton dagegen trage das Laster ihres Mannes. Der sei jüngst recht aggressiv aufgetreten, man frage sich, wer Vizepräsident neben ihm werden könnte. Ihr sei es bisher gelungen, die Frauenkarte dezent zu spielen und ihre Erfahrung zu unterstreichen. Das komme bei Afro-Amerikanern an, hier helfe ihr Mann, der bei Farbigen gute Karten habe. Mann: „Bei den Demokraten geht der Kampf weiter.“ Bei den Republikanern sind Mann zufolge die Würfel gefallen. John McCain stehe als moderner Fundamentalist dem modernen Mormonen Mitt Romney gegenüber, der jetzt klar geschwächt sei. Aber auch McCain habe Schwächen, sei unberechenbar, relativ alt, aber auf seine Weise charmant. Für Eckart von Klaeden ist McCain zum Favoriten der Republikaner geworden. Bei den Demokraten könnte der Kampf sogar bis zum Parteitag andauern. Dass Hillary Clinton die Staaten Kalifornien und Massachusetts gewonnen habe, sei eine Überraschung, habe der dort starke Clan der Kennedy-Familie Obama unterstützt. Obama sei es gelungen, neue Wählerschichten zu mobilisieren, eine

Wanderung zwischen den Wählergruppen sei eher nicht zu beobachten. Clintons Strategie, Obama in eine Ecke als Kandidat der Schwarzen und Minderheiten zu rücken und sich selbst als Kandidatin der Mitte zu zeigen, sei übel aufgestoßen. Klaeden hat den Eindruck, dass die Hautfarbe des Kandidaten in den USA eine geringere Rolle spiele als in Deutschland vermutet. Obama habe im Gegenzug erstmals Clinton als Kandidatin des Establishments angegriffen. Dass im US-Wahlkampf die Personen im Mittelpunkt stehen und weniger Programme, hält von Klaeden nicht für einen Mangel an politischer Kultur. Ebenso falsch sei es, dem US-Wahlsystem mehr Bürgernähe zu attestieren: „In Deutschland haben wir Abgeordnete mehr Bürgernähe.“ Auch für von Klaeden ist die Kandidatenfrage noch offen. Er warnte aber davor, denjenigen Umfragen Glauben zu schenken, die in jedem Fall einen Demokraten als nächsten US-Präsidenten sehen. Mann: „Wer nach diesem Super-Tuesday darin einen Automatismus sieht, der ist schief gewickelt.“ Erika Mann ist Europaabgeordnete der SPD auch für den Hildesheimer Wahlkreis und Mitglied im Ausschuss für internationalen Handel. Eckart von Klaeden, Hildesheims Bundestagsabgeordneter der CDU, ist außenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Termine der nächsten Vorwahlen im Februar: Am 9. in Kansas bei den Republikanern, am 10. in Maine bei den Demokraten, am 12. in Virginia und Maryland, am 19. in Wisconsin und bei den Demokraten im Bundesstaat Hawaii.

Quelle: Hildesheimer Allgemeine Zeitung

25. Februar 2008 11:47