Hochleistungsbatterien und Supercaps
6. März 2009 15:22

Europa muss in Schlüsseltechnologien der Autoindustrie investieren!

Die Finanz- und Wirtschaftskrise schädigt besonders den Bereich Forschung und Entwicklung (FuE) in der Autoindustrie massiv.

Dieses Thema wurde auch im Wettbewerbsrat der Europäischen Union am 5.März 2009 besprochen. Erika Mann, niedersächsische SPD-Europaabgeordnete, warnt: „Immer mehr Investitionen werden in der Autoindustrie in die Zukunft verschoben. Europa und vor allem Deutschland könnten damit äußerst wichtige Zukunftschancen verspielen."

Jedes Jahr werden in Deutschlands Autoindustrie rund 18 Milliarden Euro für die Erforschung von Innovationen ausgegeben. Erika Mann: „Das sind rund ein Drittel der Forschungsausgaben der gesamten deutschen Industrie.“

Als Schlüsseltechnologie im Autobau gelten Hochleistungsenergiespeicher, wie Lithium-Ionen-Batterien und Supercaps. Letztere speichern die Energie, anders als Batterien, nicht über chemische, sondern über physikalische Vorgänge. „Innovationen in der Energiespeicherforschung werden darüber entscheiden, wie sich der zukünftige internationale Automarkt aufteilt“, so Erika Mann.

Auch wenn es bereits einige wenige Hybrid-Fahrzeuge mit Lithium-Ionen-Batterien gibt – die Entwicklung dieser Technologie steht weltweit erst am Anfang. Dies birgt ein enormes Entwicklungspotential: Schon in wenigen Jahrzehnten könnten reinen Elektroautos und hybridelektrischen Fahrzeugen die Straße gehören. „Vor allem Deutschland muss diese Chance nutzen, wo die Batterieforschung früher stark war, dann aber sträflicherweise nicht weiter verfolgt wurde“, so Erika Mann.

Bislang liegt die deutsche und europäische Batterieentwicklung weit hinter der Konkurrenz aus Japan, China und Südkorea zurück. Japan alleine investiert jährlich über 250 Millionen US-Dollar in die Forschung und Entwicklung von Energiespeichern. Das deutsche Forschungsministerium dagegen will in vier Jahren 60 Millionen Euro über das Projekt „Lithium-Ionen-Batterie-LIB 2015“ investieren. Viel zu wenig, kritisiert Erika Mann, gerade jetzt in der Krise: „Wir brauchen einen wirklichen Aufbruch in dieser Technologie, einen Neuanfang, bei dem Europa seine Forschungsstärke beweisen kann.“

Erika Mann hat bereits die Bildung einer so genannte EU-Industrieplattform für Hochleistungsenergiespeicher angeregt, an der sich alle federführenden Unternehmen und Forschungseinrichtungen Europas beteiligen sollen. „Wir müssen unsere Kräfte und Kompetenzen bündeln, was in Asien und den USA längst passiert“, sagt Erika Mann.

Die im Dezember 2008 gegründete strategische Allianz zur Entwicklung und Fertigung von Lithium-Ionen-Batterien zwischen Evonik und Daimler zielt in die richtige Richtung. Erika Mann: „Lobenswert ist, dass beide Konzerne die Forschung, Entwicklung und Produktion von Batteriezellen und Batteriesysteme in Deutschland realisieren wollen.“ Vorbildhaft für Europa ist zudem ein Industriekonsortium mit den deutschen Unternehmen Volkswagen, BASF, Bosch, Evonik Degussa, STEAG Saar Energie und Li-Tec, das in den nächsten Jahren 360 Millionen Euro in die Forschung und Entwicklung von Lithium-Ionen-Batterien investieren will.

Die Entwicklung wird ein weiteres Problem sichtbar machen, so Erika Mann: „In Deutschland und Europa fehlen dringend benötigte Ausbildungsangebote für Fachkräfte, die sich nicht nur im Bereich Maschinenbau auskennen, sondern auch über elektro- und informationstechnisches Wissen verfügen.“

Zu befürchten ist weiter, dass die hochinnovative Autozulieferindustrie unter den Umsatzeinbrüchen auf dem Automarkt zusammen schrumpft. Diese meist mittelständischen Unternehmen müssen eng kalkulieren und sind auf kurzfristige Kredite angewiesen. Gerade für diese Kredite stellen Banken aber immer höhere Anforderungen. Erika Mann: „Das ist ein Teufelskreis, der tiefe Schäden in der europäischen und vor allem der deutschen Forschungslandschaft hinterlassen kann. “


Hintergrund:

In der Europäischen Union sind ein Drittel aller Produktionsarbeitsplätze Arbeitsplätze in der Automobilindustrie. Die Unternehmen investieren über 20 Milliarden Euro in FuE. Direkt und indirekt hängen von der europäischen Autoindustrie 13 Millionen Arbeitsplätze ab. Die EU-Mitgliedsstaaten nehmen zudem alleine über die Autosteuer rund 360 Milliarden Euro ein.


Für ein Gespräch und weitere Informationen steht Ihnen Erika Mann gerne zur Verfügung. Wenden Sie sich bitte an das Büro in Brüssel: Johanna Hasting, Tel.: +32 (0)2 - 284 51 91, Email: erika.mann@europarl.europa.eu , oder an das Büro in Hannover: Henning Hofmann, +49 (0) 511 1674 268, Email europabuero-erika.mann@spd.de