Seite druckenPublication date: 12.09.2007 18:20:38
Mehr als die Hälfte der EP-Abgeordneten haben in
den vergangenen Monaten eine schriftliche Erklärung unterzeichnet, in der die
Europäische Kommission, die Mitgliedstaaten und das Parlament selbst
aufgefordert werden, sich gegen wissenschaftliche Versuche an Primaten
einzusetzen.
Bis zum Ablauf der Frist zur Unterzeichnung am 6. September hatten 416 Parlamentarier die Erklärung unterzeichnet. Damit wurde eine formelle Hürde genommen, die nötig ist, um die EU-Institutionen zum Handeln zu verpflichten.
Die niedersächsische Abgeordnete Erika MANN hat die Erklärung nicht unterzeichnet und nennt dafür mehrere Gründe: "Die Erklärung enthält einerseits teilweise falsche Behauptungen und andererseits werden Praktiken in der Forschung an Primaten unterstellt, die nicht stattfinden." In der Erklärung wird als einer der Gründe, für ein mögliches Verbot an Versuchen, angeführt, dass es schwierig sein könnte, Primaten vor Bedrohungen wie der des Verzehrs durch den Menschen zu schützen. "Diese Annahme ist absurd und hat nichts mit der tatsächlichen Behandlung von Primaten in der Forschung in Deutschland zu tun." so Erika MANN.
Die Forschung an Primaten macht insgesamt 0,09% der Forschung an Tieren aus und darf schon heute nur dort angewandt werden, wo keine Alternative möglich ist. "Sie vollständig zu verbieten ist nicht sinnvoll, da sie nach wie vor für die Forschung an Krankheiten wie etwa Parkinson oder Schlaganfällen notwendig ist. Darüber hinaus wird eine Aufgabe der Forschung an Tieren in Europa nur zu eine Verlagerung in andere Staaten führen, da sowohl die Europäische Union, aber auch viele andere internationale Abkommen und Staaten diese Forschung in bestimmten Risikobereichen vorschreiben." so Erika MANN.
Niedersachsen hat eines der größten Primatenforschungszentren in Europa. Es ist in Göttingen angesiedelt und trägt wesentlich dazu bei, dass der Forschungsstandort Göttingen und Niedersachsen in bestimmten Forschungsbereichen weltweit führend ist.
Hintergrund:
Derzeit überarbeitet die Kommission die geltende Richtlinie ("zur Annäherung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten zum Schutz der für Versuche und andere wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere") aus dem Jahr 1986 (86/609/EG). Im Juni 2007 hat die Kommission ihre Empfehlung für die Leitlinien der Unterbringung und Pflege für Tiere, die für Experimente oder andere wissenschaftliche Zwecke verwendet werden, veröffentlicht (C(2007)2525). Darin werden auch besondere und sehr detaillierte Empfehlungen für die Behandlung nicht-menschlicher Primaten gemacht. Bei der kommenden Überarbeitung der Richtlinie 86/609/EG wird es sinnvoll sein, zu überprüfen, ob die europäische Koordinierung ausreichend ist, oder ob weitere Regelungen notwendig sind, um die Bedingungen für Primaten und andere Versuchstiere so gut wie möglich zu gestalten.
Zum Text der Schriftlichen Erklärung:
http://www.europarl.europa.eu/sides/../DE&language=DE
Für ein Gespräch und weitere Informationen steht Ihnen Erika Mann gerne zur Verfügung. Wenden Sie sich bitte an das Büro in Brüssel: Eva-Maria Kirschsieper, Tel.: +32 (0)2 - 284 51 91, Email: erika.mann@europarl.europa.eu , oder an das Büro in Hannover: Henning Hofmann, +49 (0) 511 1674 268, Email europabuero-erika.mann@spd.de