Der Karlspreis zu Aachen 2008

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel erhält Internationalen Karlspreis zu Aachen 2008

Am 1. Mai 2008 wird der Internationale Karlspreis zu Aachen and die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel verliehen. Mit dem Preis soll ihr Beitrag im Zuge der Deutschen EU-Ratspräsidentschaft in der ersten Jahreshälfte 2007 "zur Überwindung der Krise der EU [...] in Anerkennung richtungweisender Entscheidungen zum Fortschreiten des europäischen Einigungsprozesses" gewürdigt werden, wie es in der Begründung des Direktoriums heißt.

Seit über 50 Jahren wird der Karlspreis an Persönlichkeiten verliehen, die sich um die Europäische Einigung und Völkerverständigung im besonderen Maße verdient gemacht haben. So steht es in der Proklamation der Gründungsmitglieder. Vor allem die deutsch-französische Achse bei der Europäischen Einigung wurde in der Vergangenheit bei der Auswahl der Preisträger betont. Konrad Adenauer, Robert Schumann, Walter Hallstein, Jean Monnet, Walter Scheel, Jaques Delors, Helmut Kohl und François Mitterand sind unter anderem bisherige Preisträger der Medaille.

Wenn Angela Merkel den Preis entgegennimmt, wird sie 53 Jahre alt sein. Ebenso alt war auch der Namensgeber des Preises, Karl der Große, als er sich am ersten Weihnachtstag des Jahres 800 zum Kaiser krönen ließ. Er stand damit im Zenit seiner Macht und war Kaiser eines Reiches, das von Schleswig-Holstein bis nach Spanien und in den Süden Italiens reichte. Die Einheit des großen Imperiums war freilich mit Schwertern blutig erkämpft. Ein Widerspruch zur modernen Idee des friedlichen und freiwilligen Zusammenschlusses der Völker Europas. Auf der Urkunde der Preisträgerin wird davon nichts zu lesen sein. Dort wird die Geehrte an ihre Verdienste um die Einigung Europas erinnert, zu denen auch ihr Auftreten beim EU-Gipfel im Dezember 2005 zählt, der sich nach zähen Verhandlungen auf den Haushalt der Gemeinschaft von bis 2013 einigen konnte. Ein (kleiner) Meilenstein für die Gemeinschaft auf dem Weg zur Vertiefung der Integration.

Mit der Verleihung eines solch renommierten Preises an eine Persönlichkeit wird immer auch ein Stück weit Politik gemacht. Dafür besitzt die Auszeichnung die entsprechende Symbolik. Angesichts der Aktualität der Debatten über Europa wird der Verleihung des Preises große mediale Aufmerksamkeit zu Teil werden. Dabei steht nach der jüngsten Erweiterung der Union auf nunmehr 27 Mitgliedsstaaten die Frage nach der so genannten "Finalität" des europäischen Zusammenschlusses im Mittelpunkt.

Angela Merkel ist seit langem profilierte Gegnerin eines Türkeibeitrittes zur Europäischen Union und spricht sich vehement für eine privilegierte Partnerschaft aus. Dieses Thema wird eines der dominierenden europapolitischen der kommenden Jahre sein. Vielleicht wird schon mit der 50. Preisverleihung im nächsten Jahr dann eine Persönlichkeit geehrt, die sich besonders um die Integration der Türkei in die Europäische Union verdient gemacht hat.

Weitere Informationen:

http://www.karlspreis.de/index.php?id=11

28. April 2008 18:18