Seite druckenDas Deutsche Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen eines der größten seiner Art in Europa. Es nimmt eine herausragende Stellung im Bereich der Grundlagenforschung ein.
Um sich über die aktuellen Entwicklungen zu informieren und über den Stand der europäischen Rechtssetzung für Tierversuche zu berichten, besuchte die Erika Mann am 18. April 2008 die Forschungseinrichtung.
Seit ihrem letzten Besuch vor rund 6 Jahren hat sich einiges verändert. Mittlerweile arbeiten im DPZ mit rund 300 Mitarbeitern 50% mehr Beschäftigte als 2002. Auch der Bestand der Affen hat sich auf 1.500 Tiere erhöht. Deshalb wird derzeit 1 Mio. Euro in Aus- und Neubauten investiert.
Das DPZ ist in drei Sektionen unterteilt: Organismische Primatenbiologie, Neurowissenschaften und Infektionsforschung.
In der Infektionsforschung ist das Zentrum Mitglied im europäischen Forschungsnetzwerk EUPRIMNET. Hier werden beispielsweise neue Impfstoffe gegen Pocken entwickelt, oder zur Bekämpfung von AIDS oder BSE geforscht. Das DPZ zeichnet sich dabei besonders durch die Kombinationsmöglichkeit von Freilanduntersuchungen und Labormethoden aus. Zudem unterhält es Forschungsstationen in drei Kontinenten (Indonesien, Peru und Senegal).
Erika Mann konnte bei ihrem Besuch berichten, dass noch für das Jahr 2008 Vorschläge zur Überarbeitung der Richtlinie 86/609/EG ("zur Annäherung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten zum Schutz der für Versuche und andere wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere") aus dem Jahr 1986 durch die Europäische Kommission vorgesehen sind. Im September 2007 hatten 416 Parlamentarier eine schriftliche Erklärung gegen wissenschaftliche Untersuchungen an Primaten unterzeichnet und so die ohnehin anstehende Änderung angeschoben.
Erika Mann hatte diese Erklärung nicht unterschrieben und diese Entscheidung auch öffentlich begründet. Der Besuch im DPZ hat sie erneut in ihrer Meinung bestärkt, dass Forschung an Primaten weiterhin möglich sein muss. So wird sich die Europaparlamentarierin dafür einsetzen, dass die Grundlagenforschung in diesem Bereich auf zukünftig erlaubt sein wird. Bei der Diskussion um den kommenden Änderungsvorschlag warnt sie vor emotionalen Argumenten.
„Entweder wir forschen in der EU unter kontrollieren Bedingungen und mit möglichst hohen Standards, oder die Forschung wandert in außereuropäische Ausland. Auf diese Standards wäre dann kaum noch Einfluss zu nehmen.“
Prof. Dr. Stefan Treue, Direktor des DPZ, verwies im Gespräch mit Erika auf die genetische Ähnlichkeit von Primaten und Menschen. Die Erforschung eines neuen Pocken-Impfstoffes beispielsweise erfordere dass Primanten getestet würden, um hinterher möglichst jede Fehlwirkung bei Menschen auszuschließen. Ohnehin sei die Rechtslage in Deutschland zu Tierversuchen eindeutig: Nach § 7 Abs. 2 Tierschutzgesetz muss ein Tierversuch unerlässlich sein und der verfolgte Zweck darf nicht durch andere Methoden oder Verfahren erreicht werden können. Zudem muss ein Tierversuch an Wirbeltieren nach § 7 Abs. 3 Tierschutzgesetz ethisch vertretbar sowie die Ergebnisse besonders belastender Tierversuche für die Lösung wissenschaftlicher Probleme von hervorragender Bedeutung sein. In § 9 Abs. 2 Nr. 1 Tierschutzgesetz ist geregelt, dass Versuche an sinnesphysiologisch höher entwickelten Tieren nur durchgeführt werden dürfen, soweit Versuche an sinnesphysiologisch niedriger entwickelten Tieren für den erfolgten Versuchszweck nicht ausreichen. So sind z. B. Tierversuche an Menschenaffen zuletzt im Jahr 1990 in Deutschland genehmigt worden.
Prof. Dr. Franz-Josef Kaup stellte als Tierschutzbeauftragter des DPZ heraus, dass in der EU jeder tausendste Tierversuch an Primaten durchgeführt werde. In Deutschland seien es rund 2000 Tiere pro Jahr. Im Primatenzentrum werde besonders auf die artgerechte Haltung von Tieren geachtet. So würden die Primaten grundsätzlich in Gruppen untergebracht und die Mitarbeiter im artgerechten Umgang mit den Tieren fachgerecht geschult.
Dass sich das Primatenzentrum nicht hinter seiner Tätigkeit versteckt, macht der Umgang mit der interessierten Öffentlichkeit deutlich. Gruppen können das Zentrum jederzeit besuchen und sich selbst ein Bild vom Umgang mit den Tieren und der Arbeit der Forscher machen. Beim „Tag der offenen Tür“ in 2007 kamen knapp 2000 Besucher.
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