Seite druckenMehr als die Hälfte der EP-Abgeordneten haben in den vergangenen Monaten eine schriftliche Erklärung unterzeichnet, in der die Europäische Kommission, die Mitgliedstaaten und das Parlament selbst aufgefordert werden, sich gegen wissenschaftliche Versuche an Primaten einzusetzen. Bis zum Ablauf der Frist zur Unterzeichnung am 6. September hatten 416 Parlamentarier die Erklärung unterzeichnet. Damit wurde eine formelle Hürde genommen, die nötig ist, um die EU-Institutionen zum Handeln zu verpflichten.
Erika Mann hat die Erklärung nicht unterzeichnet. Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen enthält die Erklärung teilweise falsche Behauptungen und zum anderen werden Praktiken unterstellt, die nicht stattfinden. Beispielsweise wird geschrieben, dass es schwierig sein könnte, "Primaten vor Bedrohungen wie der des Verzehrs durch den Menschen zu schützen". Diese Annahme ist absurd und hat nichts mit der tatsächlichen Behandlung von Primaten zu tun. Die Forschung an Primaten macht tatsächlich nur 0,09% der Forschung an Tieren aus und darf schon heute nur dort angewandt werden, wo keine Alternative möglich ist. Die Forschung an Primaten vollständig zu verbieten ist nicht sinnvoll, da sie nach wie vor für die Forschung an Volkskrankheiten wie etwa Pakinson notwendig ist. Die Europäische Union ist federführend in der internationalen Gesetzgebung in vielen Bereichen, i.d.R. haben diese Gesetzgebungen zur Folge, dass mehr getestet werden muss. Es ist nicht sinnvoll und moralisch verantwortlich diese Tests in das Europäische Ausland, durch ein Verbot in der EU, zu verlagern.
Derzeit überarbeitet die Kommission die geltende Richtlinie aus dem Jahr 1986 (86/609/EG). Im Juni 2007 hat die Kommission ihre Empfehlung für die Leitlinien der Unterbringung und Pflege für Tiere, die für Experimente oder andere wissenschaftliche Zwecke verwendet werden, veröffentlicht (C(2007)2525). Darin werden auch besondere und sehr detaillierte Empfehlungen für die Behandlung nicht-menschlicher Primaten gemacht. Bei der kommenden Überarbeitung der Richtlinie 86/609/EG wird es sinnvoll sein, zu überprüfen, ob die europäische Koordinierung ausreichend ist, oder ob weitere Regelungen notwendig sind, um die Bedingungen für Primaten und andere Versuchstiere so gut wie möglich zu gestalten.
Zum Text der Schriftlichen Erklärung: