50 Jahre Römische Verträge1. Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft und die Berliner Erklärung
Seit dem 1. Januar 2007 hat die Bundesrepublik Deutschland für sechs
Monate die Europäische Ratspräsidentschaft inne. In diesem Zeitraum
jährt sich die Gründung der Europäischen Union zum 50. Mal. Aus diesem
Anlass findet am 25. März in Berlin ein Festakt statt, an dem die
Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedsstaaten die so genannte
"Berliner Erklärung" verabschieden. Mit der Erklärung wird der Versuch
unternommen, eine Orientierung über Werte und Aufgaben der EU zu geben
und eine neue Basis für die gemeinsame Gestaltung der Europäischen
Union zu finden.
Ein langjähriger Verfechter der Europäischen Idee war auch er: Helmut Schmidt, hier gemeinsam mit Erika Mann auf einer Veranstaltung in Hamburg im Februar 2007
Aus Anlass der Feierlichkeiten lädt die Bundesregierung zudem zu einem Europafest in Berlin ein. Neben mehreren Ausstellungen und einem Open-Air-Konzert am Brandenburger Tor werden alle staatlichen Museen in Berlin zur "Europa-Nacht der Schönheit" geöffnet haben.
Den Text der Berliner Erklärung finden Sie hier
2. Gemeinsame Erklärung der deutschen und italienschen sozialdemokratischen Europaabgeordneten zur
50. Jahrestag der Gründung der EU
Die
deutschen SPD-Europaabgeordneten haben zusammen mit ihren italienischen
Kollegen am 5. März eine gemeinsame Erklärung abgegeben. Darin
verweisen sie auf die Errungenschaften der Europäischen Union und
sprechen sich dafür aus, die europäischen Institutionen für die
Herausforderungen der Zukunft fit zu machen. Dazu zählt auch eine
sozialverträgliche und klimafreundliche Politik, für die wir uns
einsetzen wollen.
Zum vollständigen Text der Erklärung
3. Kleine Geschichte von Rom bis Berlin
Rom 1957
Am 25. März 1957, trafen sich in Rom,
im Musei Capitolini, die Staats- und Regierungschefs von sechs
europäischen Staaten und gründeten die Europäische
Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft
(EURATOM) für die gemeinsame Erforschung und die zivile Nutzung der
Kernenergie. Da die Unterzeichung der beiden Abkommen in Rom stattfand
spricht man von den "Römischen Verträgen".
Die sechs
Gründerstaaten waren Frankreich, Belgien, Niederlande, Luxemburg,
Deutschland und Italien. Deutschland und Italien hatten als
Kriegsverlierer das Interesse, durch die Integration in eine
europäische Staatengemeinschaft ihre staatliche Souveränität
zurückzuerlangen. Frankreich wollte die Integration führen. Die
BENELUX-Länder versprachen sich durch die Abkommen wirtschaftliche
Vorteile. Außerdem wollten sie als Opfer deutscher Überfälle eine
stabile Friedensgemeinschaft schaffen, verflochten mit wirtschaftlichen
Aspekten.
Langfristige Ziele waren also ein friedliches Europa sowie ein stabiler Wirtschaftsraum.
Die Idee und ihre Folgen
In einem Markt ohne
Binnengrenzen sollte durch Wettbewerb Wohlstand geschaffen werden. Die
EWG entwickelte sich sehr erfolgreich und schnell, so dass schon 1968
eine Zollunion geschaffen wurde. Durch den Erfolg angespornt wurden
andere westeuropäische Länder motiviert, in die Gemeinschaft
einzutreten. Seit 1957 sind zu den 6 Gründerstaaten 21 weitere
Mitglieder beigetreten. Zuletzt wurden im Januar 2007 Rumänien und
Bulgarien EU-Mitglieder.
Die Idee des freien Wettbewerbs wurde
seit 1957 kontinuierlich weiterentwickelt, so dass sich die
Wirtschaftsgemeinschaft in den folgenden 50 Jahren in mehreren großen
Reformen u.a. über die Europäische Gemeinschaft (1987) zur Europäischen
Union (1992) weiterentwickelt hat.
Es wurde die Idee eines
integrierten Wirtschaftsraums umgesetzt. Innerhalb der EU gibt kaum
mehr wirtschaftlichen Beschränkungen für Waren, Dienstleistungen,
Personen und Kapital. Neben diesen so genannten vier Binnenfreiheiten
wollte man auch in verschiedenen Politikbereichen zusammenarbeiten.
Unter anderem gibt es heute eine gemeinsame Handels-, Wettbewerbs-,
Verkehrs- und Agrarpolitik. Die Gründung der Europäischen Union 1992
markiert den Wandel von einer Wirtschaftsgemeinschaft zu einer
Politischen Union mit gemeinsamen Werten.
Die Mitgliedstaaten der EU haben staatliche Rechte auf die europäische Ebene übertragen und somit eine überstaatliche Rechtsgemeinschaft geschaffen. Dieses Recht, das in allen 27 Staaten gleich ist, hat im Zweifel sogar Vorrang vor nationalem Recht.
Brüssel als "Hauptstadt" Europas
Die Entwicklung
der Europäischen Union hat auch die Schaffung gemeinsamer europäischer
Institutionen notwendig gemacht. Die wichtigsten Institutionen sind die
Europäische Kommission, der Rat der Europäischen Union und das
Europäische Parlament. Alle drei haben ihren Sitz in Brüssel, das
Parlament hat einen zusätzlichen Sitz in Straßburg. Diese Institutionen
lassen sich in ihren Funktionen und Aufgaben nicht immer direkt mit
denen eines Nationalstaats vergleichen, da die Einzigartigkeit der EU
auch einzigartige Institutionen hervorgerufen hat.
In Brüssel
arbeiten die Mitarbeiter aller drei Institutionen eng zusammen, da sie
voneinander abhängig sind. So können möglichst viele Interessen
berücksichtigt werden.
Die Europäischen Union heute
Für die
europäischen Bürger hat sich die gemeinsame Union als Grant für Frieden
und Freiheit und Wohlstand etabliert. Nach den leidvollen Erfahrungen
von Krieg, Vertreibung und Elend können die Bürger Europas heute in
Frieden leben.
Daneben hat die Europäische Union, gemessen an
der Größe des Sozialproduktes, den größten Markt der Welt geschaffen.
In ihr leben rund 490 Millionen Einwohner in Wohlstand und
wirtschaftlicher Sicherheit. Darüber hinaus ist die Europäische Union
aber auch eine Wertegemeinschaft in der es die Unantastbarkeit der
Würde des Menschen, das Recht auf Leben und das Verbot der Todesstrafe,
das Recht auf Unversehrtheit und das Verbot der Folter, die Gedanken-,
Gewissens- und Religionsfreiheit gibt. Für die jungen Generationen in
Westeuropa sind diese Werte eine Selbstverständlichkeit, die frühere
Generationen entbehren mussten.
Nicht zuletzt deshalb sollte der
50. Jahrestag der Unterzeichnung der Römischen Verträge gefeiert werden
und gleichzeitig Ansporn sein, mit zukunftweisenden Entscheidungen
unseren Kontinent auf die vor uns liegenden Herausforderungen
vorzubereiten.
Der 9. Mai als Europatag
Seit vielen Jahren wird
in der Europäischen Union der 9. Mai als Europatag gefeiert. Diese
führt auf eine Rede des früheren französischen Außenministers Robert
Schuman zurück, welche diese Rede am 9. Mai 1950 hielt. Darin stellte
er den Plan von Jean Monnet vor, die Kohle- und Stahlproduktion von
Frankreich und Deutschland zusammenzulegen sowie eine entsprechende
Organisation zu gründen, der auch andere Länder beitreten könnten. Auch
wenn am 25. März die Unterzeichnung der Römischen Verträge als "50
Jahre Europäische Union" gefeiert wurde, so bleibt festzuhalten, dass
der 9. Mai als der eigentliche Geburtstag gilt. Auch sollte man nicht
vergessen, dass damals keineswegs die Europäische Union gegründet
wurde, sondern der Grundstein gelegt wurde auf dem in den folgenden
Jahrzehnten die Europäische Union "gebaut" wurde.
4. Links:
www.eu2007.de (Deutsche Ratspräsidentschaft)
Informationen zum Europafest am 24./25. März
50 Jahre Römische Verträge
Darstellung der Geschichte Europas
Alle europäischen Institutionen
Medieninformation zur Berliner Erklärung

