ICANN
organisiert 1. Weltgipfel der Internetnutzer
Bild: Screenshot Website ICANN Mexiko
In dieser Woche findet in Mexiko vom 1. bis 6. März unter dem Dach der
obersten Internetverwaltungsbehörde ICANN der erste Weltgipfel der
Internetnutzer statt. Der Weltgipfel setzt zum Thema Mitbestimmung ein Signal an die
Internetgemeinde. Gleichzeitig findet das 34. Treffen der ICANN statt, auf dem
wichtige Weichenstellungen diskutiert werden. Im Herbst läuft der Vertrag der
ICANN mit dem US-Handelsministerium aus. Auf ihrem 34. Treffen stehen daher wichtige Themen an.
Die ICANN hat 90 Verbraucher- und
Bürgerrechtsorganisationen eingeladen und setzt damit ein deutliches Signal in
Richtung Zivilgesellschaft. 2001 hatte
die US-Regierung die Beteiligung zivilgesellschaftlicher Akteure unterbunden,
die zuvor in freien, offenen Wahlen in das Direktorium gewählt werden konnten.
- Integration der Zivilgesellschaft in das Direktorium: Ein in Mexiko diskutierter Vorschlag sieht vor, künftig wieder zwei Sitze im Vorstand wieder aus der Zivilgesellschaft heraus zu besetzen, acht Sitze werden über ein Nominierungskomitee vergeben. Das Gremium entscheidet über neue Top-Level-Domains, Sanktionen sowie Vertragsbestimmungen.
- Mehr Unabhängigkeit: Es wird auch diskutiert, inwieweit die ICANN selbst unabhängiger werden kann. Die EU schlug anlässlich des UN-Weltgipfels zur Informationsgesellschaft vor, einen internationalen Regierungsrat einzusetzen, der bei der ICANN Mitspracherechte haben sollte. China und andere Schwellenländer bevorzugen hingegen eine Verwaltung unter dem Dach der Vereinten Nationen.
Eine
weitere zentrale Herausforderung für die ICANN besteht darin, wie sie das
„Internet für Alle“ organisieren kann. Dabei werden folgende Themen und Ziele
diskutiert:
- Das Internet soll internationaler werden: So sollen künftig auch kyrillische, chinesische und arabische Buchstaben in Domainnamen zulässig sein. Immerhin die Hälfte der Menschheit verwendet Schriften, die nicht auf dem lateinischen Alphabet basieren.
- Neue Domains für Verbraucher und Regionen: Die ICANN will neue Top-Level-Domains wie etwa .berlin oder .shop einführen, wovon insbesondere Städte und Regionen profitieren würden. Sie können Namen registrieren, die unter .de oder .com schon vergeben sind.
- Mehr IP-Adressen für das so genannte „Internet der Dinge“, also webfähige Kameras, Handys und andere Geräte, sollen zur Verfügung stehen. Der Bedarf steigt aufgrund des „Internet der Dinge“ enorm ansteigt. Eine Lösung verspricht das neue Adressprotokoll IPv6. . Bis 2011 sollen alle IPv4-Adressen vergeben sein, IPv6 soll für die nächsten hundert Jahre mit über 340 Sextillionen Adressen genügend Adressen bereitstellen können.
- Der Übergang von IP4 auf IPv6 soll nahtlos erfolgen. Die ICANN wird sich deshalb auch mit der Frage beschäftigen, wie der Übergang vom Adressprotokoll IPv4 auf IPv6 zu bewerkstelligen ist, da die Protokolle nur aufwärts kompatibel sein sollen.
Schließlich
sollen auch die Interessen der Verbraucher und Bürger stärker berücksichtigt
werden:
- Die Rechte von Domain-Inhabern sollen besser geschützt werden: So sollen sie ihre Domains- und E-Mail-Adressen auch dann nutzen können sollen, wenn ihr Internet-Service-Provider insolvent ist.
- Der Datenschutz soll für Domain-Inhaber verbessert werden: Die Kontaktdaten, die jeder Domain-Registrant in der Whois-Datenbank hinterlegen muss, kann bislang jeder abfragen. Diese Daten werden jedoch von Spammern missbraucht. Außerdem gilt dieses Vorgehen als unvereinbar mit dem europäischem Datenschutzrecht. Bislang setzte sich die ICANN nicht für mehr Datenschutz ein, da die Musikindustrie auf einem freien Datenzugriff bestand und die US-Regierung durch mehr Datenschutz Einschnitte im Kampf gegen den Terror befürchtete.
Weiterführende Links:
- ICANN in Mexico
- Website von ICANN, http://www.icann.org
- ICANN. Weltgipfel der Internet-Nutzer, Interview mit Wolfgang Kleinwächter, Professor für Internetpolitik an der Universität Aarhus und Berater des Vorsitzenden des Internet Governance Forum (IFG) der Vereinten Nationen, telepolis, 26.2.2009
- Monika Ermert: Icann 3.0 wieder mit Nutzerdirektoren?
- Hintergrundbericht von Wolfgang Kleinwächter zur dritten Auflage des 2005 vom UN-Weltgipfel zur Informationsgesellschaft (WSIS) neu gegründeten "Internet Governance Forum" (IGF), das vom 03.-07.Dezember 2008 in Hyderabad (Indien) stattfand,
- Hintergrundtext von Christiane Schulzki-Haddouti zur ICANN,

