Energieeffizienz fördern

Neben der Schaffung eines funktionierenden Energiebinnenmarktes ist die Steigerung der Energieeffizienz ein zentraler Bestandteil des EU-Energie-Aktionsplans. Das Ziel ist ambitioniert: Der Energieverbrauch soll durch den Einsatz effizienterer Technologien schrittweise so verringert werden, dass bis zum Jahr 2020 insgesamt 20 % des jährlichen Energieverbrauchs (gemessen am hochgerechneten Energieverbrauch für das Jahr 2020) eingespart werden können. Dieses Ziel entspricht Energieeinsparungen von rund 1,5 % jährlich bis zum Jahr 2020[i]. Für die EU würde das Erreichen dies Einsparungen in Höhe von 100 Milliarden Euro und eine Verminderung des CO2-Ausstoßes um etwa 780 Millionen Tonnen pro Jahr bedeuten[ii].

Kommentar von Erika Mann:

Besonders wichtig bei der Erreichung der Energieeinsparziele werden die Entwicklung und der Einsatz neuer Technologien sein. Eine Studie der Europäischen Telekommunikationsnetzwerk Anbieter (ETNO) und dem World Wildlife Fund (WWF) gibt einfache aber wirkungsvolle Beispiele hierfür: Durch den verstärkten Einsatz von Audio- und Videokonferenzen und die dadurch verbundene Reduzierung an Geschäftsreisen/-flügen könnten innerhalb der Europäischen Union 25 Millionen Tonnen CO2 ab 2010 jährlich eingespart werden. Ein eher simpel anmutendes Beispiel ist die Anwendung von Informations- und Telekommunikationstechnologien (IKT) im Bereich Transport, mit der beispielsweise ein optimaler Reifendruck unnötige Energieverschwendung reduzieren kann.

Ein weiteres Beispiel ist der Einsatz der so genannten "Smart Grid"-Technologie, die durch eine intelligente Verzahnung von Systemen eine Optimierung der Energienutzung ermöglicht. "Smart Grid" erlaubt die Integration und Kontrolle von Energienetzen, Gebäuden und Anlagen durch intelligente Managementsysteme; so kann die Energieeffizienz um 20 bis 30% verbessert werden. Das System erlaubt gleichzeitig eine intelligente Überwachung von kritischen Energieinfrastrukturen, Gebäuden und Anlagen.

Das Energieeinsparpotential durch Technik ist dabei nicht zu unterschätzen. Und schon heute stehen uns zahlreiche Technologien zur Verfügung, welche große Einsparungen ermöglichen.

Darüber hinaus kann der Einsatz von High-Tech zur Energieeinsparung zweierlei Funktionen übernehmen. Einerseits tragen Innovationen zu Wachstum und Beschäftigung bei. Allein aus diesem Grund lohnt es sich, politisch geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Innovationen in diesem Bereich zuträglich sind. Andererseits sind High-Tech Entwicklungen meist mit der "Vereinfachung" oder "Erleichterung" des Alltags verbunden. So kann der Einsatz moderner Technik gleichzeitig zur Energieeinsparung beitragen.

Nach den Worten des EU-Energiekommissars Andris Piebalgs muss die EU „weltweit eine Pionierrolle übernehmen..., das heißt sie muss eine neue industrielle Revolution in Gang setzen, den Übergang zu einem Wachstum mit geringen Kohlenstoffemissionen vorantreiben und den Anteil der von uns erzeugten und verwendeten emissionsarmen Energie aus heimischer Produktion erheblich steigern.“[iii] Deutliche und dauerhafte Energieeinsparungen erzielen zu wollen, bedeutet, dass energieeffiziente Techniken, Produkte und Dienstleistungen entwickelt werden müssen. Im Aktionsplan Energieeffizienz[iv] wird benannt, wo Einsparungspotentiale bestehen und welche kurz- und mittelfristigen Maßnahmen dazu führen, diese zu nutzen. Die kosteneffizienten Einsparpotentiale werden bis 2020 wie folgt gesehen: Im Bereich der Wohngebäude und Haushalte 27%, bei gewerblich genutzten Gebäuden 30%, im Bereich Verkehr 26% und in der Industrie 25%.[v] Mit 10 vorrangigen Maßnahmen will die Kommission die Nutzung der Einsparpotentiale vorantreiben:

1. Mindestnormen für die Energieeffizienz von Geräten und Anlagen

Aktuell werden auf der Grundlage der Kennzeichnungsrichtlinie und der Öko-Design-Richtlinie aktualisierte und dynamische Mindestnormen für die Energieeffizienz von Geräten und anderen energieverbrauchenden Anlagen sowie die entsprechende Kennzeichnung entwickelt. Dabei wird besonderes Augenmerk auf die Verringerung des Energieverlusts im Bereitschaftsmodus (stand-by-Modus) gerichtet. Die Kommission wird ab 2007 solche Energieeffizienz- Anforderungen für 14 vorrangige Produktgruppen (unter anderem Heizkessel, Fernsehgeräte und Beleuchtungsmittel) festlegen, die allesamt bis Ende 2008 angenommen werden sollten. Es wird geschätzt, dass allein durch verbindliche Vorgaben für den Stand-by-Verbrauch von Geräten in Haushalten und Büros jährlich rund 30 Terawattstunden an Strom gespart werden können. Dies entspricht dem gesamten Jahresverbrauch an Elektrizität in Ungarn[vi]. Sollte die EU neue Gerätestandards für den Stromverbrauch einführen, wird dies auch Auswirkungen auf Drittstaaten haben, da viele Geräte weltweit verkauft werden.[vii]

2. Energieeffizienzanforderungen an Gebäude – Niedrigstenergiehäuser („Passivhäuser“)

Die Kommission plant 2009, nach vollständiger Umsetzung, eine erhebliche Ausdehnung des Geltungsbereichs der Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden vorschlagen. Daneben wird sie Mindestanforderungen an die Energieeffizienz (in kWh/m2) neuer und renovierter Gebäude festlegen. Für Neubauten wird die Kommission ebenfalls bis Ende 2008 eine Strategie zur Einführung von Niedrigstenergie- bzw. Passivhäusern im Kontakt mit den Mitgliedstaaten und zentralen Beteiligten entwickeln, um die weitere Verbreitung solcher Häuser bis 2015 voranzutreiben. Die Kommission will, was ihre eigenen Gebäude betrifft, mit gutem Beispiel vorangehen. Gebäude machen mehr als 40% der Energie-Endnachfrage der EU aus und sind die Hauptverursacher von Treibhausgasemissionen.[viii]

3. Steigerung der Effizienz von Stromerzeugung und -verteilung

Die Kommission will bis 2008 verbindliche Mindestanforderungen an die Effizienz neuer Anlagen zur Strom-, Wärme- und Kälteerzeugung mit Kapazitäten unter 20 MW erarbeiten und erforderlichenfalls entsprechende Anforderungen für größere Anlagen prüfen. Daneben wird sie in Zusammenarbeit mit den Energieversorgern Betriebspraxis-Leitlinien für bestehende Kapazitäten entwickeln, um den durchschnittlichen Wirkungsgrad aller Anlagen zu steigern, und Leitlinien für vorbildliche Regulierungsverfahren vereinbaren, um Übertragungs- und Verteilungsverluste zu reduzieren. 2007 wird ein Vorschlag für einen neuen ordnungspolitischen Rahmen zur Förderung der Anbindung dezentraler Stromerzeugungskapazitäten vorgelegt werden. Zudem soll die Förderung von Kraft-Wärme-Kopplung ausgebaut werden.

4. Erreichen von Kraftstoffeffizienz

Die Kommission beabsichtigt, strenge Zielwerte für die Senkung schädlicher Emissionen von Kraftfahrzeugen vorzuschreiben, damit der Zielwert von 120 g CO2/km bis zum Jahr 2012 erreicht werden kann. Außerdem möchte sie Einfluss auf Fahrzeugkomponenten wie Klimaanlagen oder Reifen nehmen, insbesondere im Hinblick auf eine europäische Normierung des Rollwiderstands oder die Förderung von Reifendrucküberwachungssystemen. Schätzungen zufolge kann die Kraftstoffeffizienz von Fahrzeugen durch richtige Bereifung und korrekten Reifendruck um mehr als 5 % gesteigert werden[ix]. Auch die Vorschriften für die Fahrzeugkennzeichnung sollen - in Verbindung mit geeigneten Sensibilisierungskampagnen und der Beschaffung sauberer Fahrzeuge durch die öffentliche Hand - eine Förderung besonderer verbrauchsgünstiger Fahrzeuge ermöglichen. Die Verringerung des Energieverbrauchs der übrigen Verkehrsträger - Schienenverkehr , Luftverkehr und Seeverkehr - wird ebenfalls geprüft. Im Aktionsplan werden darüber hinaus unter anderem die Initiative zur Einbeziehung des Luftverkehrssektors in den Treibhausgasemissionshandel, die Verbesserung des Luftverkehrsmanagement, die Einführung des dritten Schienenverkehrspakets sowie die landseitige Stromversorgung von Schiffen während deren Liegezeiten im Hafen angesprochen.[x]


5. Erleichterung einer geeigneten Finanzierung der Energieeffizienz-Investitionen von Klein- und Mittelständischen Unternehmen und Energiedienstleistern
Damit möchte die Kommission den Bankensektor dazu anhalten, für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Energiedienstleister, die Energieeffizienzlösungen anbieten, maßgeschneiderte Finanzierungsmöglichkeiten bereitzustellen. Außerdem wird der Aufbau öffentlich-privater Partnerschaften mit dem privaten Bankensektor, der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE), der Europäischen Investitionsbank (EIB) und anderen internationalen Finanzinstitutionen erleichtert.

6. Impulse zur Steigerung der Energieeffizienz in den neuen Mitgliedstaaten

Die Kommission will auch die Europäische Regionalpolitik dazu „ermuntern“, ihre nationalen und regionalen Programme zur Unterstützung intensiverer Investitionen zur Verbesserung der Energieeffizienz insbesondere in den neuen Mitgliedstaaten einzusetzen, unter anderem im Sektor der Mehrfamilienhäuser und Sozialwohnungen. Daneben wird die Kommission ständige Kontakte zwischen Mitgliedstaaten und Regionen fördern, um die Finanzierung der besten Verfahren im Bereich Energieeffizienz sicherzustellen.

7. Kohärente Besteuerung

Die Kommission will 2008 die Energiebesteuerungsrichtlinie überarbeiten, um die Energiebesteuerung insbesondere durch Einbeziehung von Energieeffizienz- und Umweltaspekten zielgerichteter zu gestalten und besser abzustimmen. Ferner prüft sie Kosten und Nutzen des Einsatzes von Steuergutschriften, einerseits als Anreiz für Unternehmen, verstärkt zertifizierte energieeffiziente Geräte und Ausrüstungen herzustellen, und andererseits als Anreiz für die Verbraucher zum Kauf derselben.

8. Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Energieeffizienz

Schwerpunktbereiche werden neben verbesserter Kennzeichnung unter anderem Aus- und Weiterbildungspläne und -programme für Energiemanager in Industrie- und Versorgungsbetrieben sein. Dazu gehören auch Unterrichtshilfen für Primär-, Sekundar- und berufsbildende Schulen. Diese sollen durch Gemeinschaftsprogramme, Empfehlungen an die Mitgliedstaaten und eine Zusammenarbeit zwischen den für Bildung zuständigen Stellen auf Mitgliedstaaten- und Gemeinschaftsebene entwickelt werden.

9. Bürgermeisterkonvent - Effizienz in Ballungsräumen

Durch einen „Bürgermeisterkonvent“, der die Bürgermeister der 20-30 größten und fortschrittlichsten Städte in einem ständigen Netz zusammenbringt, soll der Austausch und die Anwendung bester Praktiken zur deutlichen Verbesserung der Energieeffizienz in der städtischen Umwelt, insbesondere im Verkehr, gefördert werden.

10. Energieeffizienz weltweit fördern

Die Kommission ist der Auffassung, dass die europäische Handels- und Entwicklungspolitik, internationale Abkommen und Verträge sowie andere Instrumente des internationalen Dialogs gleichermaßen als Instrumente geeignet sind, die Verbreitung und den Einsatz besonders energieeffizienter Technologien und Techniken zu fördern.

weiterführende Links:

Exekutivagentur für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation (EAWI):

http://europa.eu/agencies/executive_agencies/eaci/index_de.htm

http://www.ec.europa.eu/energy/action_plan_energy_efficiency/doc/com_2006_0545_de.pdf

http://www.initiative-energieeffizienz.de/index.php?id=8774

http://www.aeanet.org/EUenergy

http://www.etno.eu/Default.aspx?tabid=1934

http://www.etno.eu/Portals/34/ETNO%20Documents/Sustainability/Climate%20Change%20Road%20Map.pdf

http://www.smartgrids.eu

http://www.currentgroup.com/solutions/smartgridserv.html

http://www.currentgroup.com

Förderprogramme des Landes Niedersachsen:

http://www.industrie-energieeffizienz.de/page/index.php?id=9441

________________________________________________________

[i] http://europa.eu/scadplus/leg/de/lvb/l27064.htm

[ii] http://www.land-oberoesterreich.gv.at/cps/rde/xchg/SID-3DCFCFC3-F6938747/
ooe/hs.xsl/55581_DEU_DRUCK.htm

[iii] http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=SPEECH/
07/43&format=HTML&aged=1&language=DE&guiLanguage=en

[iv] http://ec.europa.eu/energy/action_plan_energy_efficiency/doc/
com_2006_0545_de.pdf

[v] http://www.initiative-energieeffizienz.de/fileadmin/InitiativeEnergieEffizienz/
dachmarke/downloads/EU-Dokumente/Aktionsplan_Energieeffizienz.pdf

[vi] http://www.boerse-online.de/tools/dowjones/20071019LL002790.html

[vii] http://www.boerse-online.de/tools/dowjones/20071019LL002790.html

[viii] http://www.euractiv.com/de/nachhaltige-entwicklung/umweltfreundliche-
gebaude/article-163955

[ix] http://eur-lex.europa.eu/smartapi/cgi/sga_doc?smartapi!celexplus!prod!
DocNumber&lg=de&type_doc=COMfinal&an_doc=2006&nu_doc=545

[x] http://www.europa.eu/scadplus/leg/de/lvb/l27064.htm

20. Mai 2008 12:52