Irland stimmt gegen EU-ReformvertragAm 12. Juni waren die irischen Bürger aufgerufen, über den EU-Reformvertrag, den Vertrag von Lissabon abzustimmen. In dem verfassungsmäßig vorgeschriebenen Referendum sprachen sich rund 53% der Iren gegen die Ratifizierung des Vertrages aus. Nach diesem ablehnenden Votum ist noch unklar, welche Konsequenzen hieraus gezogen werden.
Bild: No Ireland by MW Hampe
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier
hat sich enttäuscht über das Ergebnis des Referendums geäußert, da der Vertrag
von Lissabon die EU “demokratischer, handlungsfähiger und transparenter” mache.
Gleichzeitig rief Steinmeier dazu auf, den Ratifizierungsprozess fortzusetzen.
Der Vertrag von Lissabon kann jedoch nur in Kraft treten, wenn er von allen 27 EU-Mitgliedstaaten ratifiziert wurde.
Die deutsche Bundeskanzlerin Merkel hat in einer Stellungnahme gemeinsam mit ihrem französischen Kollegen Sarkozy die Entscheidung der Iren bedauert.
Am 19. und 20. Juni findet der nächste Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel teil. Dort soll der irische Ministerpräsident das Ergebnis des Referendums erläutern. Der Europäische Rat werde dann die “notwendigen Schlüsse ziehen”, erklärten Sarkozy und Merkel. Außerdem bekräftigten sie, die Notwendigkeit des Vertrages für eine handlungsfähige EU.
Solange der Vertrag von Lissabon nicht in Kraft treten kann, bleibt der derzeit gültige Vertrag von Nizza die Rechtsgrundlage der EU. Dieser ist jedoch nur bedingt in der Lage, die notwendige Handlungsfähigkeit der EU zu gewährleisten.
- Pressemeldung vom Bundesaußenminister Steinmeier, 13. Juni 2008
- "Irland lehnt Vertrag von Lissabon ab", Pressemeldung der Bundeskanzlerin Merkel und dem französischen Präsidenten Sarkozy, 13. Juni 2008
- Gemeinsame Presseerklärung von
Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy zum Ausgang
des irischen Referendums über den Vertrag von Lissabon vom 12. Juni 2008
- Ergebnisse einer Post-Referendum Umfrage in Irland
- EPC
Post-summit analysis: a time to heal
Deutsche und Internationale Pressestimmen zum Ausgang des Referendums:
- "Tragischer Irrtum" Handelsblatt 15. Juni 2008
- "Irland soll noch einmal abstimmen", Financial Times Deutschland
- "Weniger ist mehr" Deutschlandfunk, 14. Juni 2008
- "EU leaders scramble to solve treaty crisis", Financial Times, 15. Juni 2008
- "Yes camp split over second poll", Times Online, 14. Juni 2008
- "Beim Durchwursteln ist die EU eine Klasse für sich", Financial Times Deutschland
- "Vertrag von Lissabon- EU findet Minimalkonsens", Süddeutsche Zeitung, 20. Juni 2008
- “Paris und Berlin wollen Irland links liegen lassen” Welt Online, 15. Juni 2008
- „Vertragsstrafe für die EU“ Spiegel
Online, 13. Juni 2008
- „EU must find treaty
solution“, BBC News, 15. Juni 2008

