Ein Europäisches Satellitennavigationssystem - Galileo

Das Satellitennavigationssystem GALILEO ist eine Initiative der Europäischen Union und der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), welches Nutzer beispielsweise im Verkehr, in sozialen Einrichtungen oder im Bauwesen mit Ortungsinformationen versorgen soll. Das Projekt wurde als eine europäische Alternative und Ergänzung zum von den USA betriebenen GPS-Satellitensystem konzipiert.

GalileoSystem

Grafik: Copyright Deutsches Zentrum für Luft und Raumfahrt

Europäisches Parlament stimmt ab

Am Dienstag dem 22. April 2008 wird das Europäische Parlament über die Verordnung "über die weitere Durchführung der europäischen Satellitennavigationsprogramme (EGNOS und Galileo)" beraten. Am darauf folgenden Mittwoch, dem 23. April 2008 wird im Plenum des Europäischen Parlaments über die Verordnung abgestimmt.

Mit der Verordnung soll ein rechtlicher Rahmen geschaffen werden, der sicherstellen soll, dass alle nötigen Maßnahmen getroffen werden, damit Galileo bis zum Jahr 2013 einsatzfähig ist.

Galileo in Niedersachsen

Galileo ist aus niedersächsischer Sicht von großer Bedeutung. Der Forschungsflughafen Braunschweig ist an der Entwicklung von GALILEO wesentlich beteiligt.

Das Projekt GAUSS (GALILEO Zentrum für sicherheitskritische Anwendungen, Zertifizierungen und Dienstleistungen), das am Forschungsflughafen Braunschweig angesiedelt ist, soll die sicherheitsrelevanten Anwendungen des Satellitenprogramms als einen Schwerpunkt erproben.

Bisherige Entwicklungen

Im Juni 2007 scheiterte der ursprüngliche Plan, das Galileo-Projekt in Form einer Öffentlich-Privaten-Partnerschaft (ÖPP) durchzuführen. Darauf hin erklärten die EU-Mitgliedstaaten Galileo zu einem europäischen Schlüsselprojekt und forderten die Europäische Kommission auf, einen neuen Vorschlag zu liefern.

Am 20. Juni 2007 hat das Europäische Parlament eine Resolution zur Fortsetzung von Galileo und zur Finanzierung aus EU-Gemeinschaftsmitteln verabschiedet. Nachdem sich die EU-Mitgliedstaaten im November 2007 auf eine Finanzierung von Galileo in der Finanzierungsperiode von 2007-2013 verständigt haben wurde auch eine Einigung über die Beschaffungsregeln erzielt. In den Verhandlungen zwischen dem Europäischen Parlament, den Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission Anfang 2008 konnte schließlich eine Einigung erzielt werden.

Gemäß dem gefundenen Kompromiss soll das europäische Satellitennavigationsprojekt nun komplett über die öffentliche Hand finanziert und organisiert werden. Eine Mischfinanzierung über die Europäische Raumfahrtagentur (ESA) und den EU-Haushalt wie sie ebenfalls

diskutiert wurde, konnte sich nicht durchsetzen. Deutschland wurde in diesem Punkt von den anderen EU-Mitgliedsstaaten überstimmt. Die Bundesregierung hatte das Modell der gemischten Finanzierung favorisiert.

Ausblick

Am 26. April 2008 soll der zweite Testsatellit "Giove B" starten. Noch in diesem Jahr 2008 soll jegliche Weltraum- und Boden-Infrastruktur und der damit zusammenhängende Betrieb und die Vorbereitung der Betriebsphase begonnen werden. Ebenfalls noch in diesem Jahr wird die Europäische Kommission einen Aktionsplan als Grundlage für die Entwicklung von Anwendungen und Diensten verabschieden.

2010 soll die Entwicklungs- und Validierungsphase (Konstruktion und Start des ersten Satelliten, Einrichtung der ersten Boden-Infrastruktur und Validierung des Systems im Orbit) abgeschlossen werden. 2013 soll die in 2008 begonnene Errichtungsphase abgeschlossen werden.

Nach dem Jahr 2013 soll dann die eigentliche Betriebsphase (Instandhaltung, Verbesserung und Erneuerung des Systems, Vermarktung des Systems, etc.) starten.


Links:

10. Oktober 2008 12:08