EU fördert metrologische Zukunftsforschung

(Gastbeitrag von Imke Frischmuth, PTB)

Sinnbild für präzises Messen und zugleich eine technologische Höchstleistung: Mit Atomuhren - wie diesen in der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt - lässt sich auf 15 Stellen hinter dem Komma genau sagen, was eine Sekunde ist.

Bild: Sinnbild für präzises Messen und zugleich eine technologische Höchstleistung: Mit Atomuhren - wie diesen in der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt - lässt sich auf 15 Stellen hinter dem Komma genau sagen, was eine Sekunde ist.


Das Europäische Parlament hat mit Weitblick entschieden: Die EU wird das bisher größte und ehrgeizigste Forschungsprogramm der Metrologie in Europa mit 200 Millionen Euro unterstützen. Damit trägt sie die Hälfte der mit 400 Millionen Euro veranschlagten Kosten, verteilt über sieben Jahre. Für die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB), das nationale metrologische Institut Deutschlands, und seine Partnereinrichtungen in den anderen europäischen Staaten kann durch diese finanzielle Unterstützung ein neues Zeitalter der metrologischen Forschung beginnen: Nun wird nicht mehr jedes europäische Land seine Wissenschaftsprojekte allein definieren, vielmehr wollen Forschungsinstitute aus 22 Staaten in Zukunft in gemeinsamen Projekten alle vorhandenen Kräfte bündeln und Freiraum für die Lösung aktueller Forschungsaufgaben schaffen.

Nanometer, Pikogramm, Femtosekunde – längst sind in Industrie und Forschung aber auch im Umwelt- und Verbraucherschutz Größen gang und gäbe, die den Bereich der Alltagserfahrung weit hinter sich lassen. Metrologie, die Wissenschaft vom Messen, ist zum Rückgrat unserer hochtechnologischen Welt geworden. Ob bei ärztlichen Untersuchungen, beim Einkauf oder der Herstellung von Hightec-Produkten – überall müssen Menschen sich auf präzise Messungen verlassen können. Die nationalen Metrologieinstitute der europäischen Staaten sind die Hüterinnen des Messwesens und wissen um ihre Verantwortung. Ihre Forschungsergebnisse kommen direkt Wirtschaft und Gesellschaft zugute. In Deutschland übernimmt diese Aufgabe die PTB.

Nun wollen metrologische Institute aus 22 Staaten ihre Forschung zur Lösung von Schlüsselproblemen gemeinsam voranbringen, zum Beispiel in den Bereichen Energieversorgung, Umwelt, Sicherheit und Gesundheit. Auch die Weiterentwicklung der Messtechnik an technologischen Grenzen ist im Fokus der Forschung, um die Industrie im rohstoffarmen und exportorientierten Europa zu unterstützen. „Die koordinierte, gemeinsame Forschung der europäischen Metrologieinstitute ist der einzige Weg, um den zukünftigen Aufgaben gewachsen zu sein“, sagt Prof. Dr. Ernst O. Göbel, Präsident der PTB. „Dadurch werden wir die jeweils besten Köpfe eines Forschungsbereichs zusammenbringen.“

Koordiniert wird das Europäische Forschungsprogramm mit dem Kürzel EMRP (European Metrology Research Programme) von Euramet e.V., der gemeinsamen Dachorganisation der Metrologieinstitute in Europa, ebenfalls mit Sitz in Braunschweig. Erika Mann, die den Entscheidungsprozess im EU-Parlament über die letzten Jahre maßgeblich vorangetrieben hat, freut sich: „Es ist gut, dass das Parlament sogar früher als erwartet seine Zustimmung zur Förderung des EMRP gegeben hat. Nun können wichtige Projekte schnell auf den Weg gebracht werden.“

22. April 2009 12:41