Frauen in der Forschung

In vielen Bereichen des Berufslebens nehmen Frauen einen gleichberechtigten Platz neben ihren männlichen Kollegen ein. Allerdings gibt es durchaus noch Berufsbereiche, in denen Frauen deutlich unterrepräsentiert sind. Die Forschung stellt einen solchen Bereich dar. Dort ist nicht nur der Anteil der Frauen noch immer unterdurchschnittlich, auch die Chancen des beruflichen Aufstiegs sind geringer.

In Deutschland betrug der Anteil der weiblichen Studierenden an der Gesamtheit der Studierenden im Jahre 2004 mittlerweile 49,4% (EU: 54,8%). In der Wahl des Studienfaches bleiben geschlechtsspezifische Unterschiede jedoch auch weiterhin bestehen: In den klassisch "männlich dominierten" Fächern der Natur- und Ingenieurswissenschaften sind weibliche Studierende mit Anteilen von 33,8% bzw. 18,9% der Studierenden deutlich unterrepräsentiert. Mit diesen Zahlen liegt Deutschland unter dem EU-Schnitt. Dass ein niedriger Anteil weiblicher Studierender in diesen Fächern nicht als naturgegeben hingenommen werden muss, zeigen Beispiele aus anderen EU-Mitgliedsstaaten: In Rumänien waren im Jahre 2004 57,7% der in den Naturwissenschaften eingeschriebenen Studenten weiblich, in Bulgarien und Italien immerhin noch 49,6% bzw. 49,2 %.

Beim Übertritt von der akademischen Ausbildung in den wissenschaftlichen Dienst schwindet jedoch der Anteil der Frauen. Hierbei gilt: Je höher eine Stufe in der wissenschaftlichen Karriereleiter ist, desto geringer ist der Anteil von Frauen.

  • Während in Deutschland immerhin noch 38% (EU: 43%) der Promovendi weiblichen Geschlechts sind, so entfallen nur 22,7% aller Habilitation auf Frauen.
  • Bei den prestigeträchtigen C4-Professuren beträgt der Frauenanteil nur noch 9,2 % (EU: 15,3% in internationalen Äquivalenten).
  • Der Frauenanteil an Hochschulleitungen und -räten ist ebenfalls unterdurchschnittlich: Nur 8,7% der Rektoren, Präsidenten und Gründungsrektoren sind weiblich. Immerhin beträgt der Frauenanteil in den Hochschulräten 19,9%.
  • Der Anteil der insgesamt in der Forschung beschäftigten Frauen beträgt in Deutschland lediglich 19,1% (EU: 28%).
  • 19,4% aller bei der DFG gestellten Forschungsanträge werden von Frauen eingereicht.


In der industriellen Forschung ist der Anteil von Frauen mit 11,6% (EU: 18%) sogar noch geringer als in der öffentlichen Forschung.

Frauenanteil


Ursachen

Es gibt verschiedene Ursachen für diesen Drop-Out-Prozess, dem Frauen in der Forschung unterliegen: Einerseits fällt der Eintritt in die Forschung zeitlich mit der Phase der Familiengründung zusammen, so dass es zu Ausfällen kommt. Andererseits gibt es jedoch auch strukturelle Probleme wie z. B. die starke Abhängigkeit vom Doktorvater, der im Zweifel junge Männer fördert, subtiler Ausschluss aus informellen Netzwerken, Bevorzugung von männlichen Bewerbern in Begutachtungsprozessen sowie intransparente und nicht-standardisierte Berufungsverfahren, unter denen besonders Frauen leiden.

Diese Unterrepräsentanz von Frauen in der Forschung ist jedoch nicht länger hinnehmbar: Aus demographischen Gründen wird sich in Zukunft das Arbeitskräftepotenzial verringern, so dass nicht mehr auf die Arbeitskraft von Frauen in der Forschung verzichtet werden kann. Zudem bedeutet es eine Verschwendung von Ressourcen, wenn auf das Wissen von Frauen, in deren Ausbildung die Gesellschaft investiert hat, nicht zurückgegriffen wird. Doch nicht nur wirtschaftliche Gründe erfordern eine Erhöhung des Anteils von Frauen in der Forschung, sondern auch gesellschaftliche: Die ungleiche Verteilung von Chancen nach Geschlecht ist schlichtweg unfair.


Maßnahmen auf europäischer Ebene

Das Thema Frauen in der Forschung sowie deren Förderung nimmt eine wichtige Position bei der Entwicklung des Europäischen Forschungsraumes (EFR) ein. Im Jahre 1999 hat die Europäische Kommission die "Helsinki Group on Women and Sciences" gegründet, die Vertreterinnen und Vertretern der EU-Staaten ein Forum für Dialog und Erfahrungsaustausch bietet. Die Helsinki Group trifft sich zweimal im Jahr, üblicherweise im Juni und im Dezember. Die Kommission stellt im Internet eine Übersicht zu den nationalen Forschungspolitiken bereit. Sie kann unter
http://cordis.europa.eu/improving/women/policies.htm eingesehen werden.

Die Europäische Kommission möchte neben dem Anteil von Frauen in der öffentlichen Forschung ebenfalls den Anteil in der industriellen Forschung erhöhen. In diesem Zusammenhang wurde im Jahre 2002 die hochrangig besetzte Expertengruppe "Frauen in der industriellen Forschung" (Women in Industrial Research, WIR) gegründet, der auch Erika Mann angehörte. Die Aufgabe der Expertengruppe war es, die Situation von Frauen in der industriellen Forschung zu analysieren und Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten. Die Ergebnisse der Arbeit können unter dem folgenden Link eingesehen werden:
http://ec.europa.eu/research/science-society/women/wir/doc_pub_en.html

Seit Januar 2007 gibt es innerhalb der Generaldirektion Forschung der EU das Referat  "Wissenschaftskultur und Geschlechterfragen" Es ist zuständig für die Entwicklung der Beobachtung des Verhältnisses von 'Frauen und Wissenschaft', für die Sammlung und Verbreitung der zusammengetragenen Daten sowie für die Förderung des Dialogs zwischen den Mitgliedstaaten und den Wissenschaftlern.
http://ec.europa.eu/research/science-society/page_de.cfm?id=3197

Mit diesem Bündel von Maßnahmen auf EU-Ebene soll die Stellung der Frauen in der Forschung langfristig verbessert und die Beschäftigungspolitik in der Forschung somit auf ein solideres Fundament gestellt werden.


Maßnahmen auf nationaler Ebene

Auf nationaler Ebene unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung verschiedene Projekte im Rahmen seiner Gender-Mainstreaming-Strategie in der Wissenschaft. Zudem bemüht sich die Bundesregierung, Mädchen schon frühzeitig auch für technische Berufe zu begeistern: In diesem Zusammenhang sei vor allem auf den jährlich stattfindenden Girl's-Day, den Mädchen-Zukunftstag hingewiesen. Auf regionaler Ebene werden Frauen in der Wissenschaft durch verschiedene Mentoring-Programme unterstützt.


Was macht Erika Mann?

Die Forschungspolitik ist ein Politikfeld, das Erika Mann sehr am Herzen liegt. Nicht zuletzt aus diesem Grunde setzt sie sich aktiv für eine Verbesserung der Position von Frauen in der Wissenschaft ein. So ist sie nicht nur Mitglied der Expertengruppe Women in Industrial Research (WIR) der Europäischen Kommission, sondern engagiert sich auch im Kuratorium des Vereins "Frauen geben Technik neue Impulse e.V.", der bundesweit Maßnahmen zur Chancengleichheit bündelt. Zudem ist Erika Mann Mitglied im Wissenschaftsforum der SPD sowie stellvertretende Vorsitzende im "Kuratorium Kompetenzzentrum Technik e.V."

Links:

Allgemeine Infos zum Thema


Zahlen und Daten


Netzwerke


Forschungsförderungsmöglichkeiten

  • BMBF Förderung von Forschungsvorhaben zum Themenschwerpunkt "Frauen an die Spitze". Deadline 1. November 2007. http://www.bmbf.de/foerderungen/6338.php
  • Projektträger im DLR Chancengleichheit und Genderforschung http://www.pt-dlr.de/pt_cg/foerderung
  • Die Christiane-Nüsslein-Volhard-Stiftung ist eine noch junge Stiftung, die sich der Förderung von Wissenschaft und Forschung begabter junger Wissenschaftlerinnen mit Kindern widmet. Dadurch soll den Müttern genügend Freiheit und Mobilität für die wissenschaftliche Karriere verschafft werden. http://www.cnv-stiftung.de


Förderungsmöglichkeiten für Frauen in der Region:

2. März 2009 11:11