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European Institute of Technology - ein bürokratisches Innovationsmonster

Die vom Parlament beschlossene Einrichtung des European Institute of Technology (EIT) ist ein Fehler, weil es lediglich ein neues bürokratisches Innovationsmonster kreiert. Ein „Flaggschiff der Innovation und Forschung in Europa“ kann ich am Horizont nicht erkennen, dafür ein bis zur Unkenntlichkeit verstümmeltes Konzept. Es sieht lediglich eine neue Form der Verwaltung und der Vernetzung vor, nicht jedoch eine Institution, die selbst Spitzenforschung hervorbringen würde.

Innovation benötigt klare Organisationsstrukturen, eine gemeinsame Organisationskultur, eine talentierte Community. Man braucht ein Set an Regeln, Prozessen und Werkzeugen, die den Einzelnen, das Team und die Organisation miteinander verbinden. Ohne eine klar definierte Strategie ergibt sich nur eine Vielzahl von Bewegungen ohne jede Richtung. Planung allein genügt nicht, man muss ein klares Zukunftsbild entwerfen. All das wird das EIT nicht einlösen können.

eitlogo

Die geplante Netzwerkwerkstruktur des EIT ist eine virtuelle supranationale Einrichtung, die in der europäischen und internationalen Forschungslandschaft nichts Neues hervorbringen wird. Für das EIT werden lediglich vorhandene Ressourcen umgeschichtet und neu gruppiert. Dabei ist zu befürchten, dass ein Zuviel an Bürokratie den Ideenfluss in den beteiligten Institutionen verlangsamen wird.

Europas Forschungslandschaft verfügt bereits über renommierte und weltweit anerkannte Spitzenforschung. Sie bräuchten mehr Unterstützung und Autonomie. Gelder, die die bestehende Spitzenforschung direkt unterstützen könnten, werden nun an das Innovationsmonster EIT fließen, in der es erneut verwaltet wird. Verwaltung aber führt nicht automatisch zu mehr Innovation. Innovation ist nur dann möglich, wenn sich über einen erwünschten künftigen Zustand eine Vorstellung bilden kann (John Kao). Das ist kein Verwaltungsverfahren, sondern ein kreativer Prozess!

Die Vision des EIT steht nicht nur konzeptionell, sondern auch finanziell auf weichem Boden: Große Teile des Budgets basieren auf dem Forschungsrahmenprogramm und anderen projektbasierten Quellen. Dies macht die KICs vom Erfolg einzelner Forschungsgruppen extrem abhängig. Der Finanzierungskern entspricht lediglich einem Achtel des geschätzten Budgets und ist daher für private Initiativen kein Anreiz.

Es ist unwahrscheinlich, dass sich die Industrie stärker an der Finanzierung beteiligt, da sie dies über einen längeren Zeitpunkt nur dann tut, wenn eine übersichtliche Anzahl von Partnern beteiligt ist. Schließlich sollen 308 Mio. Euro aus dem Reservehaushalt der Europäischen Union kommen. Damit aber werden andere Initiativen des Parlaments blockiert. Insbesondere ist das strategisch sehr wichtige Galileo-Projekt auf diesen Haushalt angewiesen, aber auch mehrere Klimaschutzprogramme setzen auf diesen Haushalt. Außerdem müsste der Finanzrahmen bis 2013 revidiert werden. Dazu ist nicht nur die Zustimmung des Parlaments, sondern auch ein Mehrheitsbeschluss der Mitgliedstaaten notwendig.

Wesentlicher Treiber exzellenter europäischer Forschung ist heute der Europäische Forschungsrat. Dieser Forschungsrat hat eine hohe Autonomie in der Auswahl und Abwicklung von Forschungsprojekten. Die führenden Forschungseinrichtungen sind im Forschungsrat vertreten. Aus der Mitte des Forschungsrates kann der Anspruch wachsen, europäische Spitzenforschung, gezielter und erfolgsorientierter, international zu positionieren. Weitere Anstöße, um Innovationsprozesse zu katalysieren sind zwar notwendig, doch das EIT kann diese Rolle nicht erfüllen.

11. Oktober 2007 14:53

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12. Mai 2008 17:34
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