Seite druckenDer Super Tuesday hat nicht wie sonst üblich einen klaren "Sieger" hervorgebracht. Das heißt, der "Kampf" zwischen Hillary Clinton und Barack Obama sowie zwischen John McCain und seinen Gegnern Mike Huckabee und Mitt Romney geht weiter.
Demokraten
In allererster Linie ist das Demokratische Lager eines: gespalten. Sie sind gespalten zwischen jung und alt, zwischen schwarz und weiß, zwischen Obama und Clinton.
Diese Konstellation ist unglaublich faszinierend.
Barack Obama ist ein sehr guter Redner, der Anhänger gewinnt, weil er den Wandel verspricht und für die USA eine neue Vision sieht. Er möchte eine Versöhnung von links und rechts und Spannungen zwischen den Rassen abbauen. Er möchte Amerika ein neues Ansehen in der Welt verschaffen. Er ist im positiven Sinne ein Träumer, weshalb man fragen muss, ob er auch Realist genug ist...?
Um Obama ist fast ein "Hype" ausgebrochen. Die 'Wiedergeburt' des Typus Kennedys. Die ewige Sehnsucht der Amerikaner, Traum/Vision/Hollywood und Politik zu versöhnen. Von Obama werden viele Plakate gezeigt, die Andy Warhols Porträtstil aufgreifen: Gesicht und Farben.
Dazu passt auch der Klamauk um die Kennedys. Die einen scharen sich um Obama, die anderen um Clinton, und der kalifornische Gouverneur Schwarzenegger (seine Frau Maria Shriver -Angehörige der Kennedy-Familie- hat sich zu Obama bekannt) stellt sich auf die Seite von McCain.
Hillary Clinton hat ein Laster mit dem Namen Bill Clinton. Ich habe niemanden getroffen, der nicht befürchtet, dass Bill die Macht zurück haben möchte. Keiner glaubt, dass er eine bescheidene Rolle einnehmen wird. Er tritt ziemlich aggressiv in den Medien auf und hat erst in den vergangenen Tagen seinen Ton gezügelt.
Hillary ist in Los Angeles mit dem Slogan "I can see an America..." aufgetreten. Sie spricht von Erziehung, Versöhnung, dem Gesundheitssystem (universal service), Frauen, dem Irak ("I will bring our troops in a defined time back home") und von einem besseren Ansehen im Ausland.
Außerdem setzt Hillary Clinton auf ihre umfangreichen Erfahrungen (Obama sieht gerade diese Erfahrung als negativ, für ihn zählt der Charakter) und spielt die Frauenkarte sehr dezent und klug. In den letzten Wochen ist sie zunehmend weicher geworden - man hielt ihr häufig vor, zu kühl zu sein.
Was viele nicht wissen: Sie hat auch viele Unterstützer bei den Afroamerikanern.
Sie ist eine gute Rednerin, ähnlich im Stil wie ihr Mann. Zurzeit gelingt es Clinton, Obama seine Sprachsymbolik wegzunehmen.
Ein Taxifahrer, mit dem ich vom Flughafen nach "Downtown" Washington gefahren bin, machte darauf aufmerksam, dass Obama von den meisten Afro-Amerikanern nicht als Schwarzer angesehen wird. Er denkt weiss. Er versteht nicht wirklich, wie die Afro-Amerikaner denken und fühlen. Dieser Fahrer aber ist ein 'echter' Afroamerikaner. Dennoch gibt es natürlich viele Farbige, die sich hinter Obama stellen. Aber ist es die Mehrheit und wollen sie ihn wirklich? Der Fahrer meinte, dass Obama seine Wahl nicht "überleben" würde.
"Die U.S.A. sind noch nicht soweit...sie sind aber auch noch nicht soweit, eine Frau als Präsidentin zu akzeptieren. Unterstützt wird Obama jetzt von vielen nur, damit am Ende doch McCain das Rennen macht. Am Ende wollen alle einen "White True Republican" (das ist der Spruch mit dem McCain hier gegen seine Republikanischen Kollegen antritt)."
Der Taxifahrer meinte aber auch, dass der wahre Farbige Bill Clinton gewesen sei "er denkt wie ein Farbiger!".
Hillary Clinton hat am "Super Tuesday" die großen Staaten gewonnen, Obama hat in allen Staaten Delegierte gewonnen. Der Ausgang war sehr knapp und die entscheidende Frage ist jetzt, ob es nun eine Zuspitzung bei den Themen (Wirtschaft, Irak, Soziales, Immigration) geben wird.
Republikaner
Bei den Republikanern spielt sich der "Kampf" überwiegend zwischen JohnMcCain und Mitt Romney ab - ein moderner konservativer Fundamentalist und ein moderner Mormone. Hier stehen Außen- und Sicherheitspolitische Erfahrungen gegen einen international ausgerichteten Geschäftsmann. Für Stammzellenforschung - gegen Stammzellforschung. Für eine weitgehende Immigration - gegen ein offenes Modell. Die Republikaner sind in ihrem konservativen Werteverständnis geteilt.
John McCain ist unberechenbar; er ist für die Fortsetzung des jetzigen Irak-Kurses, er mag Putin nicht (was bedeutet dies für die EU?), er sieht die politische Lage in Bezug auf den Iran sehr skeptisch. Und - er hat nicht viel zu verlieren: er ist relativ alt, er möchte der Welt und den U.S. etwas beweisen. Er ist aufbrausend, unbeherrschbar. Durchaus auch in seiner Weise charmant.
Romney ist glaube ich nur noch zeitgeschichtlich/psychologisch spannend. Die Frage nach der Rolle der Religion in der Politik ist dabei interessant und warum Religion in bestimmten politischen Zirkeln so stark ist.
Alle Kandidaten stehen vor der gleichen Aufgabe, die unterschiedlichen ethnischen Gruppen anzusprechen - Afroamerikaner, Latinos, Asiaten. Am stärksten greifen Obama und Clinton auf diese Gruppen zurück, wenngleich sehr unterschiedlich im Stil.