Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Mexiko

Am 1. Juli 2000 ist ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Mexiko in Kraft getreten. Es erfasst 95% des derzeitigen Warenhandels und sieht zudem die weitgehende Beseitigung der Diskriminierungen im Dienstleistungsverkehr vor. Zollfreiheit für alle gewerblichen Waren wollen die EU und Mexiko schrittweise bis 2007 erreichen.

Das Freihandelsabkommen hat zum einen das Ziel, Mexiko stärker in den wirtschaftlich-finanziellen Globalisierungsprozess einzubinden. Zum anderen sollen sich durch eine Diversifizierung von Mexikos Außenhandelsbeziehungen neue Absatzmärkte für mexikanische Produkte öffnen. Dafür musste und muss sich Mexiko industriepolitisch um eine Modernisierung und Produktivitätssteigerung bemühen, um mittelfristig das europäische Wettbewerbsniveau zu erreichen.

Bereits innerhalb kurzer Zeit hat sich das Freihandelsabkommen positiv ausgewirkt. Nach dem Inkrafttreten der Nordamerikanischen Freihandelszone NAFTA (1994) hatte sich zunächst der Anteil der EU-Länder am mexikanischen Außenhandel von 12% auf 6% halbiert. Auch heute kommt zwar aus Sicht Mexikos dem US-Markt weiterhin überragende Bedeutung zu. So gehen knapp 90% der exportierten mexikanischen Waren in die USA, die zudem 54% der ausländischen Direktinvestitionen stellen. Doch die Direktinvestitionen europäischer und deutscher Unternehmen wurden erheblich gesteigert. So haben sich deutsche Exporte nach Mexiko von 3,1 Mrd. (1994) auf 6,2 Mrd. US$ (2003) verdoppelt.

Zudem kommt Mexiko seit dem Freihandelsabkommen geopolitisch eine doppelte Brückenfunktion zu - zwischen der Europäischen Union und den USA auf der einen sowie Lateinamerika auf der anderen Seite. Mexiko erhält durch eine größere Diversifizierung seiner politisch-wirtschaftlichen Beziehungen weitere Spielräume gegenüber dem großen Nachbarn USA und wird wirtschaftlich unabhängiger gegenüber Rezessionen in den USA. Die Europäische Union kann andererseits das Abkommen nutzen, dem US-Einfluss etwas entgegenzusetzen und für einen breiteren Eingang europäischer Produkte in die Länder Latein- und Nordamerikas zu sorgen.

11. September 2006 05:35