US-Präsident Barack Obamas grüne Klima- und Energiepolitik
Bild: Climate Change by Devojane
"My
presidency will mark a new chapter in America's leadership on climate change
that will strengthen our security and create millions of new jobs in the
process."
Barack Obama, President-elect of the United
States, November 2008
US-Präsident Barack Obama will trotz Wirtschaftskrise einen Kampf gegen den
Klimawandel starten und damit neue Arbeitsplätze schaffen. Dies signalisierte
er bereits durch die Wahl seines Energieministers: Physik-Nobelpreisträger
Steve Chu, ein Experte und Fürsprecher für erneuerbare Energien. Zudem wird
die Leiterin
der US-Umweltschutzbehörde, Carol Browner, im Weißen Haus „Koordinatorin
für Energie und Klimapolitik“ – ein Amt, das es so noch nicht gab.
Obama kündigte ein ehrgeiziges Klima- und Energieprogramm unter dem Titel „New Energy For America“ an: Bis 2020 sollen die USA ihren CO2-Ausstoß auf den Stand von 1990 senken. Der neue Präsident bezeichnete Maßnahmen gegen die globale Erwärmung als „dringend“ und „als Frage der nationalen Sicherheit“.
Ein staatliches Investitionsprogramm über zehn Jahre in Höhe von 15 Milliarden Dollar pro Jahr soll die Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von importiertem Öl und vom Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase mindern und fünf Millionen neue Arbeitsplätze schaffen. Präsident Obama plant zudem den Aufbau eines US-Emissionshandelssystems.
Ob die USA auch einem internationalen Klimaabkommen beitreten werden, ist dagegen offen. Barack Obamas Klimaexperte, Senator John Kerry, erklärte, ein solcher Beitritt hänge davon ab, ob sich auch Länder wie China beteiligen.
Wie ein gemeinsamer Kampf gegen den Klimawandel aussehen könnte, beschreibt der Bericht „A Roadmap for U.S.-China Cooperation on Energy and Climate Change“. Der Bericht wurde im Januar 2009 veröffentlicht. Leiter des Verfasserkomitees war der heutige US-Energieminister Steven Chu.
Eine Hürde für Barack Obamas neue Klimapolitik könnte der US-Senat sein: Der Präsident braucht für einen internationalen Vertrag dort eine Zweidrittelmehrheit.
Weitere
Informationen:
- The Agenda: Energy and the Environment, the White House
- The Energy Independence and Security Act of 2007, Barack Obama, 26.01.09
- Statement of Steven Chu, Secretary of Energy-Designate before the Committee on Energy and Natural Resources U.S. Senate, 13.01.09
- “Big Science Role Is Seen in Global Warming Cure”, The New York Times, 11.02.09
- „Ein Genie für Obama“ – Physik-Nobelpreisträger Steve Chu wird neuer US-Energieminister, Financial Times Deutschland, 11.12.08
- Von Kyoto nach Kopenhagen – gibt es 2009 eine Trendwende in der Klimapolitik?, Deutschlandfunk, Hintergrund, 25.01.09
- “Experts in U.S. and China See a Chance for Cooperation Against Climate Change”, The New York Times, 04.02.09
- “EU Welcomes Obama’s Vow to Lead on Fighting Climate Change”, DW-World.de, 28.01.09
- „Obama setzt auf die grüne Wende“, Spiegel Online, 27.01.09
- “Europe’s coal push harming climate goals, warns US envoy”, by Brian Beary, Europolitics, 28.01.09
- „Grüne USA: Europa im Hintertreffen?“, Die Presse, 20.01.09
- “Should Obama push a climate bill in 2009 or 2010? Does a serious bill need action from China?”, Grist, Environmental news & Commentary, posted by Joseph Romm, 17.01.09
- “In Obama’s Team, Two Camps on Climate”, The New York Times, 02.01.09
- „Obama will scharfe Gesetze gegen Spritschlucker“, Spiegel Online, 26.01.09
- EU carbon trading system brings windfalls for some, with little benefit to climate, International Herald Tribune, 09.12.08
In Kalifornien boomt grüne Forschung
Immer mehr Startup-Unternehmen im berühmten Silicon Valley widmen sich dem Thema Klimaschutz und Energieeffizienz. Der Name für diese junge Boombranche ist Cleantech. Die Forscher entwickeln günstige Solarzellen, marktreife Elektroautos, Baustoffe, die kaum CO2 verursachen, Biokraftstoffe oder energiesparende IT.
Erika Mann sieht bei diesem Engagement die europäische Energie- und Klimaforschungslandschaft unter Druck: „Die Dynamik in der Boombranche Cleantech ist enorm und wird das 21. Jahrhundert ähnlich stark prägen wie einst die industrielle Revolution.“ Europa und vor allem Deutschland dürfen ihre Spitzenposition in diesem Bereich nicht aus den Augen verlieren – die Konkurrenz aus den USA wächst rasant.
Der Boom der erneuerbaren Energien und Klimatechnologien in Kalifornien begann 2006 mit einem 10-jährigen Förderprogramm für die Solarzellenindustrie. Mittlerweile verspricht die grüne Branche hohe Gewinne.
Die Vereinigten Arabischen Emirate investieren bereits hohe Summe in die Cleantech-Branche. Die Länder wollen sich so ihre Machtposition im globalen Energiemarkt sichern, für die Zeit nach Öl und Gas.
Weitere Informationen:
- Grün ist die Hoffnung – Klimaforschung in den USA, Deutschlandfunk, Hintergrund, 16.01.09
- A green revolution blooms in the desert, International Herald Tribune, 13.01.09
Innovationen
gegen den Klimawandel
Im Juni 2008 besuchte Erika Mann die „CITRIS-Kopenhagen Forschungskonferenz für Klima und Energie“ in Kopenhagen. CITRIS steht für „Center for Information Technology in the Interest of Society“ - eine Forschungseinrichtung aus vier kalifornischen Universitäten und Forschern der Industrie. Die Konferenzteilnehmer gingen den Fragen nach, wie Innovationen und eine sich wandelnde Industrie den Klimawandel bewältigen können.
Erika Mann ist eine ausgewiesene Expertin zum Thema „technologische Antworten auf die Herausforderungen der Klimaveränderung“ und fordert seit Jahren eine stärkere Aufmerksamkeit der Europäischen Union in diesem Bereich.
Mittlerweile hat auch die Europäische Kommission dies erkannt und am 20. Mai 2008 endlich eine Kommunikation vorgelegt, in der sie das Potenzial der technologischen Antworten anerkennt. So hält die Kommission durch Informations- und Kommunikationstechnologie Energieeinsparungen im Prinzip von bis zu 70 Prozent für möglich. Wie so häufig übertreibt die Kommission: Reduktionen von 30 bis 40 Prozent sind realistisch.
Bislang investieren vor allem Kalifornien, Indien und teilweise auch China große Summen in diesen Bereich. Die EU setzt dagegen stark auf Regulierung, die aber nur neue Probleme schafft.
Erika Mann empfahl neue globale Institutionen für den Klimaschutz, deren Strukturen sich nicht zu sehr an etablierten globalen Institutionen orientieren sollten. Erika Mann: „Die Veränderungen im Klima- und Energiebereich sind dramatisch und in ihrer Dynamik beispielsweise nicht mit den Veränderungen auf den Handelsmärkten vergleichbar.“
Führende Forscher wollen die wichtigsten Innovationsbereiche zum Klimaschutz vom 10. bis 12. März 2009 auf einer Internationalen Forschungskonferenz in Kopenhagen vorstellen und mit Politikern Wege zu deren Umsetzung diskutieren.
Weitere hilfreiche
links:
- “G-20 summit in April will look at boosting low-carbon economy”, United Nations Environment Programme, 27.01.09
- No more business as usual: „Green Heroes 2009“, CNBC European Business, January 2009
- Monday Morning, größter unabhängiger think tank von Skandinavien, Beitrag von Steve Chu: „Clear and Present Danger“
- Pathways to a Low-Carbon Economy, Version 2 of the Global Greenhouse Gas Abatement Cost Curve, Study Mc Kinsey & Company, January 2009
- Homepage Intergovernmental Panel On Climate Change (IPCC)
- “E.U. Appeals to U.S. to Join Common Carbon Trading Market”, by James Kanter, The New York Times, 23.01.09
- Interview with Jim Hansen, one of the world’s leading climatologists: “We have only four years left to act on climate change – America has to lead”, guardian.co.uk, The Observer, 18.01.09
- Interview with Stuart Eizenstat, former US ambassador to the EU: “Global climate deal a tall order for Obama”, EurActiv, 18.12.09
- Interview with IPCC Chair Rajendra Pachauri, by Ben Block, Worldwatch Institut, 16.01.09
- Von Kyoto nach Kopenhagen – gibt es 2009 eine Trendwende in der Klimapolitik?, Deutschlandfunk, Hintergrund, 25.01.09
- „Energy Shock“, Report by Dan Kammen, Center for Latin American Studies, UC Berkeley, U.S.-Mexico Futures Forum, 29.03.08

