Auflösung von GuantánamoBild: Dieses
Foto wurde von Erika Mann aufgenommen: Es zeigt den Blick auf den Grundstein,
der an die Ankunft von Christopher Kolumbus erinnert. Er ist am 3. August 1492
in Spanien aufgebrochen und kam am 28.Oktober 1492 von den Bahamas in Kuba
an.
Barack Obama hat am ersten Tag nach Amtseintritt alle Verfahren vor dem Militärtribunal des
umstrittenen Gefangenenlagers Guantánamo gestoppt. Bisher ist
der Antrag des US-Verteidigungsministeriums für 120 Tage gültig. Derweil rufen
amerikanische Anwälte über das New Yorker Center for Constitutional Rights vor allem
Europa auf, Ex-Insassen von Guantánamo aufzunehmen.
Executive Orders signed by Barack
Obama on January 22, 2009:
- Executive Order: Review and Disposition of Individuals detained at the Guantánamo Bay Naval Base and Closure of Detention Facilities
- Memorandum concerning the Review of the Detention of Ali Saleh Kahlah al-Marri
- Executive Order: Review of Detention Policy Options
- Executive Order:
Ensuring Lawful Interrogations
Haltung
von Erika Mann zur Aufnahme von Ex-Häftlingen in der EU
Die niedersächsische SPD-Europaabgeordnete Erika Mann warnt in der aktuellen Diskussion davor, die Probleme zu unterschätzen, die bei der Aufnahme von Guantánamo-Insassen entstehen können, deren Unschuld noch nicht bewiesen ist. Werden solche Insassen in EU-Staaten überführt, kommen dort die nationalen Rechtssysteme zum Tragen, was Probleme aufwerfen kann.
„Wir dürfen nicht übersehen, dass es zu vielen Problemen rechtlicher und menschlicher Art bei der Überführung kommen kann“, so Erika Mann. „Die EU-Staaten sollten nicht vorschnell etwas versprechen, was sie eventuell nicht halten können“, gibt Erika Mann zu Bedenken.
Damit wendet sich die Europaabgeordnete gegen die Forderungen von Shayana Kadidal, der das Guantánamo-Projekt am New Yorker Center for Constitutional Rights leitet. Kadidal fordert die EU-Staaten auf, auch Ex-Häftlinge aus Guantánamo aufzunehmen, die nicht aus der Europäischen Union stammen und denen noch der Prozess gemacht werden muss.
Für die Guantánamo-Insassen, die nicht in ihre Herkunftsländer zurückkehren können oder wollen und die unschuldig sind, hält Erika Mann ein Wiedereingliederungs- und Rehabilitationsprogramm für sinnvoll, dass von der US-Regierung und internationalen Organisationen aufgelegt werden sollte. In diesem Fall kann es durchaus sinnvoll sein, dass einzelne EU-Staaten Unterstützung zur Aufnahme anbieten.
Schrittweise
Auflösung des Gefängnislagers
Für die schrittweise Auflösung des Gefängnislagers in Guantánamo sieht Erika Mann folgenden Weg: „Barack Obama kann das Vertrauen in die US-amerikanische Rechtssprechung wieder stärken, indem er zunächst einigen Häftlingen Gerichtsverfahren vor einem Bundes- oder Militärgericht auf US-Gebiet gewährt.“ So könnten diese Gerichte ihre Effektivität und Legitimität beweisen.
„Anschließend sollten auch die übrigen Insassen in die USA überführt werden, deren Unschuld nicht feststeht“, sagt Erika Mann. Die Guantánamo-Insassen könnten im „Supermax“ in Florence Colorado oder im US-Militär-Gefängnis Ft. Leavenworth in Kansas untergebracht werden – je nachdem, ob für sie ein Bundesgerichts- oder Militärgerichtsverfahren vorgesehen ist. Problematisch könnte dabei allerdings sein, dass einige Republikaner bereits die Todesstrafe für den Fall fordern, dass sie zugelassen ist.
Die Guantánamo-Insassen, die bei Militäroperationen in Afghanistan
festgenommen wurden und möglicherweise weiter eine Gefahr darstellen, sollten
aus Sicht von Erika Mann in NATO-Gewahrsam nach Afghanistan überstellt werden.
Dies würde dann automatisch eine europäisch-amerikanische Aktion im weitesten
Sinne werden; allerdings ist sie auch nicht unproblematisch.
Weitere Informationen:
- “EU wird Guantanamo-Gefangene aufnehmen”, bazonline.ch, 04.02.09
- Beschluss Europäisches Parlament, 04.02.09: Guantánamo-Häftlinge in der EU aufnehmen
- Europa-Abgeordnete geben EU-Staaten Mitschuld an Guantánamo, eu-info.de, 03.02.09
- Das
Schweigen der Europäer – CIA-Flüge in der EU, derwesten.de, 03.02.09
- „Was tun mit gefährlichen Terrorkämpfern in Zivil?“, welt.de, 02.02.09
- Guantánamo-Häftlinge: „Widerspruch gegen Steinmeier auch innerhalb der SPD“, spiegel.de, 01.02.09
- „50 Häftlinge könnten in Europa aufgenommen werden“, faz.net, 31.01.09
- Verfahren gegen Guantánamo-Häftlinge: „Militärrichter ignoriert Obamas Erlass“, Tagesschau.de, 30.01.09
- “Putting Torture Behind Us”, by Nicholas D. Kristof, nytimes.com, 28.01.09
- „Obama will CIA-Geheimknäste schließen“, spiegel.de, 22.01.09
- „Obama signs order to close Guantanamo in a year“, washingtontimes.com, 22.01.09
- „Steinmeier und Schäuble wollen
Guantanamo-Streit beenden“, spiegel.de, 22.01.09
- „Obama Issues Directive to Shut Down Guantánamo”, nytimes.com, 21.01.09
- Interview mit Shayana Kadidal vom New Yorker Center for Constitutional Rights: „Die Europäer sollen Obama helfen“, Sueddeutsche.de, 20.01.09
- Juristische Aufarbeitung der Bush-Ära: „Die leere Anklagebank“, sueddeutsche.de, 19.01.09
- „Das Geheimnis der Marke Obama“, harvardbusinessmanager.de, 19.01.09
- “EU wird Obama bei Schließung von Guantanamo helfen“, euractiv, 13.01.09
- Chronicle Guantánamo Bay Naval Base, nytimes.com

